1664: Kurtzer und warhaffter Bericht, Der höchst Ruhm
Kurtzer und warhaffter Bericht,
Der höchst Ruhm: und Denckwürdig, auch dergleichen von weit mehr als über hundert Jahr her, wider den Erbfeind Christlichen Namens, nicht tentirten Entreprise,
So nechst Göttlichem Beystand, von Ihrer
Hochgräflichen Excellenz Herrn Niclas Grafen von Zerin, Generalen in Hungarn, Bann in Croaten und Windisch Land, rc. Mit Zuziehung Kayserl. 4. Spickischen zu Fuß, und 6. Piccolominischen Compagnien zu Pferdt, dann denen Bayerischen und Schwäbischen Hülffs-Volckern, welche Herr General Wachtmeister Freyherr von Puchhard commandirt,
Wie auch:
Nebens der Reichs Auxiliar-Armee, unterm Commando Herrn Wolffgang Julius Grafens von Hohenloe, und Gleichen, rc. Excellenz mit seinen eignen, auch Budianisch: und Neidastischen Kriegs-Mannschafft, samment in die 23000 starck.
Vom 20. (10.) Januarij, biß 16. (6.) Februarij, gegenwärtiges 1664. Jahrs, zu gedeylichem Auffnemmen der werthen Christenheit, löblichist vorgenommen, und glucklich vollbracht worden.
Gedruckt in der Fürstl. Hauptstatt Grätz in Steyer, bey Frantz Widmanstetter.
In Verlegung Matthias Fischer, und Joh. Christoph Erhard.
Im Jahr Christi 1664.
Nach deme die gantze Armee auf ihren Winterquartirn, Ihre Hochgräfl. Excell. Herr Wolff Julius Graf von Hohenloe, und Gleichen, rc. auch, den 19.(9.) Januarij von Pettau aufgebrochen, ist selbe den 20. (10.) auff der bestimbten Randevos bey der neuen Vestung Zerinia, allwo Ihre Hochgräfliche Excellenz Herr Graf Niclas von Zerin, General in Ungarn, rc. sich befunden, ankommen; und hat jenseits derselben in einem Wald, und zwar auff Türckischen Boden sich gelagert; von dar ift sie den 21. (11.) eine Stund vor Tags auffgebrochen, und, vnay- gesehen Hochgedacht Ihr Excell. Herr Graf von Hohenloe, x. sich zimlichen übet auff befunden, wurde doch nach gäntzlicher der Sachen gemachter Anstalt, der Fortzug auff Preßnitz zu genommen, dahin auch noch selbigen Abend so wol mehr Hochgedacht beede Ihr Excellenzien, als auch Herr Christoph Graf Budiani, über klein Commorn mit seinen Ungarischen Volckern zu Roß und Fuß, glücklichen angelanget, die Arrigarte aber von denen Reichs-Volckern, weilen selbe wegen eines grossen Pass waruber die Armee gehen müssen, damals nicht folgen kunte, muste jenseits verbleiben, und alldar dise Nacht campirn, doch funden sie sich den 22.(12.) bey früer Tages-Zeit in dem Läger ein: Indessen liessen Ihr Excellenzien durch Herrn General Wachtemeister Baron von Hemmerling, und zween Ingenuer, bey nächtlicher weil des Ortes Beschaffenheit erkundigen, und nach deme sie ihre rapport gethan, haben Ihre Hochgräft. Excell. von Hohenloe, rc. selbsten bey hellem Tag, nicht ohne grosseGefahr, den Augenschein eingenorien, auch befunden, daß die ersten proponirten attaquen sich nicht fügen, sondern daß sie beede auff der Seiten nach Canisa zu seyn muste, wclches auch also beschehen, und haben darauff die Battarien eine dem General Wachtmeister Freyherrn von Puchhard, die andere dem General Wachtmeister Baron von Hemmerling zuverfertigen anbefohlen, und wurde darauff in deß von Hemmerlings Attaque der Chur Maintzische Obriste von der Layen, mit 1000. Musquetirn von denen Auxiliar-Volckerr; in deß Freyherrn von Puchhard aber, Herr Graf von Leslie Spickischer Obrister Leutenant mit 500. commandirt.
Nach deme nun obgedachte 2. Battarien gerichtet, hat man darauff Laitern, und über solche geflochtene Hürten, umb über das auff gehauene Eiß deß Grabens zu gehen, gelegt, und alle Anstalt gemacht, damit wann die Preß geschossen, der Sturm angelauffen werden könnte; welchen aber die Umblägerten nicht erwartet, sondern umb 3. nach Mitternacht innen zu halten gebetten, und zum Accord sich erbotten; mit ersuchen, jemanden von Ihr Excell. Herrn Grafen von Zerin Leuten, und zwar benanntlichen den chis Forgach, als mit welchem sie reden könnten, herbey kommen zu lassen: weilen aber derselbe auff der andern Seiten, bey Hochged. Ihrer Excell. welche auch allbereit mit ihren Heyducken nahe herzu rucketen, seynd sie dahin verwisen worden, warauff dann 4. von fhren Agen herauß kommen, welche nach dem Ihr Excell. Herr Graf von Hohenloe vernotien, haben sie sich darauff alsobalden neben der Statt vorbey, zu obgedacht Ihrer Excell. Hern Grafen von Zerin verfüget, und endlichen, auff der Türcken so flehentliches Anhalten und Bitten, solch einen Accord, in welches Ansehung auch andere desto chender sich zuergeben Ursach haben möchten, zusammenbeliebet; nemblichen, daß sie mit Weib und Kindern, auch Haußgerait abziehen, zu dero Abfuhr aber von denen 400. und etlich und 70. verhandenen Pferdten 150. und zwar die aller geringsten haben, und biß nacher Eiget sicher begleitet werden solten; darauff dann Morgens den 23. (13.) zwischen 9. und 10. Uhr, unter 11. Agen s37. Personen, darbey in die 400. bewehrte Türcken, und 100. Tartarn mit begriffen gewesen, aufgezogen; so bald nun aber die freyen Heyducken und Husarn benambte Tartarn ersehen, haben sie in solche, ohnerachtet beyde Ihro Excell. mit hauen und schlagen, sie darvon abzuhalten sich nicht gesaumet, (wie dann auff Ihr Excell. Herrn Grafen von Zerin ein Ungarischer Ziegeiner hingegen seinen Säbel gezogen und ihme den Rock versehret, aber alsobalden von Ihrer Excell. Herrn Grafen von Hohenloe Bedienten einen erschossen worden) gefetzt, und etliche nider gesäblet, welche Auffruhr verursachet, daß die Abziehende mehr Pferdt, als ihnen bewilliget worden, hinweg gebracht.
Damit aber nach dem Abzug, und einem so gluckhafft gemachten Anfang, einige Zeit ferner nicht verlohren wurde, haben beede Ihre Excell. noch selbigen Tags die Armee auffzubrechen, und den Orth mit 400. Mann, halb Teutschen und Ungarischen Volckern, unter dem Commando des Fürstl. Braunschweig: und Lüneburgischen Obrist-Leutenant de Rolli, zu besetzen Befelch ertheilt, zuvor aber mit anbrechendem Liecht, den Ungarischen Vice-General Herrn von Sarckan mit 3000. Pferdten, und 2000. Ungarischen Heyducken, Baboschen zu berennen voraus geschicket, mit der Armee aber selbige Nacht auff Halbem Weeg an dem Fluß Ringe still gelegen, und darauff den 24. (14.) mit dem Tag auff Baboschen angezogen, da dann offt Hochgedachte beede Ihre Excell. sich von der Armee etwas abwerts begeben, umb selbsten zu Fuß den Orth zu recognosciern, und befunden, daß, wann die Stücke ankommen wurden, die Battarien und Attaque auff der Seite gegen Preßnitz könnten gemacht werden, weilen aber damals der Tag so hell, daß der seind die gantze Armee im Vorbeyzug sehen können, hat er sich von Stund an zur Capitulation gefunden; da dann noch selbige Nacht, der Fürstl. Braunschw: Lüneburgis: Kriegs-Agent Herr von der Bärteleben, der Hessische Herr Obrist Leutenant Zobel, ein Cavaglier von Herrn General-Leutenant Grafen von Hohenloe, deß Herrn Grafen von Zerin General-Ingeneur, der Bayerische Major zu Pferdt, und des Herrn Grafen Budiani Abgeordneter, was in einem und dem andern verhanden zu inventiren, hinein gelassen, weilen aber die Zeit zu kurtz, und das Werck weitläuffig, so daß, ausser denen Pferdten wenig zusammen gebracht werden könnte; als ist solches denen Armeen zum besten ongeblundert gebliben, dem Commandanten, die Obsicht darüber zu nemmen, befohlen, und durch 3. Agen welche deputire waren, erlaubet worden, ohne Gewehr mit Weib und Kindern, auch ohne pagage, ausser denen Kleidem so sie auff dem Leib hetten, abzus ziehen; die Tartarn aber solten auff discretion verbleiben: welche aber mehrentheils die Nacht zuvor, sich über die Mauer durch den Morast darvon gemachtauffer etlichen wenigen, so man bekommen, und in die Eisen geschlagen; Welchem nach den 25. (15.) unter II. Agen 1072. Seelen herauß gegangen, und biß an die Traabey dem Schloß Bartzch (welches der seind mit s. schonen und guten Stücken, als 4. Türckischen Halben Schlangen, einer Kayserl. Falconen, und 3. Schrot Stücken, auff deren einer stehet Ferdinandus Rex me fecit 1553 verlassen, so allerseits nach Baboschen geführet, und darauff das Schloß in Brand gestecket) convoirer, allda sie mit denen auß Preßnitz abgezogenen, über den Fluß gesetzet, und in deß seindes Land gelassen worden. In obbesagten diesen zweyen Vestungen Preßnitz und Babosch, seynd laut der zu Ende gedruckten Verzeichnuß, nachfolgende Stücke gestanden, darbey neben auch wurden etliche Fahnen, wie nicht weniger an Lebensmitlen, Pulver, und andern der Soldatesca dienlichen mobilien, ein zimlicher Vorrath gefunden.
Nach Eroberung Babosch, welches die Türcken vor 109. Jahren ebenfals durch Accord bekommen hatten, ruckte die Armee noch selbigen Tag ein Ungarische Meile Weegs fort, und verblicbe bey einem grossen Dorff; als indessen Morgens den 26. (16.) Ihr Excell. Herr Graf von Zerin, mit der Ungarischen Reuterey vorauß giengen, und sich an den Paß bey Sigeth setzeten, 1000. Pferdt aber schickte Sie jenseit zu recognoscirn, welche auch mit der darmnen ligenden Reuterey so lang scharmuzirt, biß der seind der Armee march und Ankünfft wahr genomen, und in die Statt wider zuruck gewichen; warauff die Tartarn, wiewoln die in der Statt es ihnen nicht zugeben wollen, mit Gewalt Herauß gebrochen, und die Flucht gegen Esseck zu genommen, denen besagte Reuterey auff ein Meile nachgesetzet, in die 40. nider gehauen, und 2. Fahnen von ihnen erobert. Die in Sigeth haben in mittels aufs Forcht die Grosse:wie auch die Vor-Statt verlassen, und sich in die zwey sehr veste Schlösser zur Sicherheit begeben; dessen ohngeachtet aber, wann man nur mit nothwendigen Stücken, und andern Kriegs-Bedürfftigkeiten ware versehen gewesen, wurde nicht ein geringere alihier, als oben bey denen andern Vestungen vor genommene Känheit, und hertzhaffte Tapfferkeit, erwisen worden seyn.
Folgenden Tag, als den 27. (17.) seynd Ihr Excell. Herr Graf von Zerin, abermaln gegen Fünffkirchen, auff Ungarisch Petch genannt, voraus gegangen; Ihr Excell. Her Graf von Hohenloe, folgten mit denen übrigen allgemach nach, liessen aber die Teutsche Reuterey an dem Paß bey Sigeth, damit der seind nicht einbrechen mochte, inmittels stehen, die dat offters mit denen Türcken gefochten, und deren nit wenig erleget; In solchem deß Kriegs-Heers Durchzug, wurd Torpech, (allwo Soleiman der Türckische Kayser vor 98. Jahren den 14. (4.) Herbstmonats in der Belägerung Sigeth gestorben, auch sein Herk und Ingewaid dahin vergraben, und zum Gedächtnuß ein Mönichs-Closter auffgebauct worden) mit 3. Stücken verlassen, auf Unvorsichtigkeit aber zu bald angestecket, und die Stücke zugleich mit zu nichts gemachet.
Als diese Nacht die Armee bey einem kleinen Dorff, über den letzten Paß gegen Fünffkirchen campiret, stellte Ihr Excell. Herr Graf von Zerin mit seiner Reuterey auff anderthalbe Stund sich vor dersels benher, und berenncte deß andern Tags, als den 28. (18.) darauff die Statt, vermereketen aber bald bey dero Ankünfft, daß deß seindes Reuterey bey dem Ofner Thor herauß brechen wolte, welches sie aber starck mutig abwehreten, selbiges und andere Thor mit Reutern, so abgestigen, versekten, die Übrigen aber zu Pferdt halten liessen, biß auff Mittag Ihr Excell. Herr Graf von Hohenloe, mit dem gesambten Kriegs Hauffen auch ankamen, in allen Vorstätten sich einlagerten, und die Angriffe ges gen der Statt alsobalden der gestalt bestelleten, daß die Kayserl. Spickischen, mit dem Chur Bayerischen General-Wachtmeister Freyherrn von Puchhard, an dem Eisenthor auff der Seite gegen dem Gebürg, das Chur Maintzische und Chur Cöllnische Regiment zu Fuß, unter dens Commando Herrn Obristen von der Layen, und Herrn Grafen von Waldeck, nebens Ihr Excell. Herrn Grafen von Zerin selbsten, welche dero Legrater Heyducken bey sich gehabt, sambt 2. Kays. Piccolominischen, und 2. Chur Bayerischen Esquadronen zu Pferdt in obgedachter Vorstatt; das Munsterisch: Bremisch: Würtenberg: und Hessische Fußvolck, 4. Piccolomische, und 2. Compagnien von dem Obristen Post zu Pferdt, unter dem Commando deß General-Wachtmeisters Baron von Hemmerling; dann der Ungarische Vice-General Herr von Sarckan mit 10. Esquadronen seiner Reuterey in der Sigloser Vorstatt; gegen der Sigether Vorstatt aber die Fürstl. Neuburg Lüneburg: Bremischen, Pommerischen und Wurtenbergische Reutercy, welche Herr General-Wachtmeister von Bambach befchliget, ihre attaque nemmen und angreiffen solten; ein jeder Hauffen deß Fußvolcks hatte seine mitgeführte Regiment Stücke auff die angewisenen Posten bereits gebracht, und mit denenselben die Nacht über so gut, als immer möglich, die Flancken beschoffen, als in dessen Herr Graf Budiani auch, mit einem Kayserl. Regiment, seiner Ungarischen Reuterey und Heyducken, auff der gegent, wo der seind am meisten herkommen können, gestanden, ja es wurde alles der gestalt bestellet, und veranlaffet, daß, wann ein halbe Stund vor Tags ein grosse Granaten zum Zeichen in die Statt geworffen, und zugleich die Losung mit 3. Stücken auff einmal gegeben wäre worden, der Sturm an allen Seiten von der helffte deß Fußvolcks und der Reuterey vorgenommen, wo die Mauer nidrig, und ohne Hindernuß mit Laitern erstigen, wo sie aber mit Pallisaten verwahret, nach abhauung deroselben überwältiget werden, (bey welchem Sturm sich dan persönlich befinden lassen vor wolgedachter Herr General-Wachtmeister von Bambach, und an hohen Befelchshabern zu Roß, der Fürstl. Braunschweig: Lüneburgische Obrister Wachtmeister Joachim Christoph von Lideritz, Obrister Leutenant des Rauchhauptischen Regiments, auch der Neuburgische Rittmeister von Eynenden, der Rittmeister von den Pommerischen, der Rauchhauptische Rittmeister Lühr, und andere dergleichen tapffer-hertzige Helden mehr; selbigen Tag wurde der Herr General. Wachtmeister von Bambach Durch Hosen und Stieffet geschossen) der andere Theil deß Fußvolcks und der Reuterey aber, solte unterm Gebiet deß Herrn Obristen Hanf Christophen von Rauchhaupt, in volliger Schlacht Ordnung zu Feld stehen; welches auch also den 19. (29.) mit anbrechendem Tag zu Werke gesetzet worden. Offt Hochgedacht beede Ihre Excellenzien, und zwar Herr Graf von Hohenloe, haben mit den Bremisch: und Hessischen Hauffen zu Fuß, bey welchen Sie sich umb felbe Zeit so gleich befunden, wie auch Herr Graf von Zerin mit seinen Heyducken auf der Insul den Sturm selbsten mit angegangen, und wurde allerfeits der Angriff der gestalt mannlich und gluckhafft verrichtet, daß man in kurtzer Zeit, an allen Orten in die Statt eingetrungen, den seind so auff denen Gaffen und Thürnen sich annoch wehren wollen, hindertrieben; und ob zwar sie ihre Zuflucht nach dem Schloß zu genommen, so wurde je dans noch ein grosse Anzahl deroselben, weilen durch den Schröcken und das starcke Gedrang sie sich selbsten unter einander verwirrcte, theils nider gez macht, theils aber, warunder sich etliche Vornehme befunden, gefangen.
In besagter Statt wurde ein mercklicher grosser Vorrath an allerhand Lebensmitteln und anschlichen Beutten, welche aber nicht alle zu Nutze kommen, sondern sehr verderbet worden, als Cameln, Pferdten, Maulthiern, und vielen andern Viech, auch ein grosse Menge Bley, damit 9. Türckische Tempel bedecket, gefunden, wie nicht weniger 4. Türckische Fahnen, deren eine Ihre Excell. Her? Graf von Hohenloe, selbsten in einem Thurn, allwo die Türcken sich gewehret, auch nicht chender, biß eine Granaten hinein geworffen worden, überwältigen lassen, herab genommen. Der grosse Uberfluß deß Weins, dessen sich die abgematt' und halb erfrorne Knecht, zu Erquick-und Erwarmung gleich Anfangs in etwas zu viel bedienet, und man ihnen wegen der über grossen bey disem Zug aufgestandenen Ungelegenheiten nicht gar verwehren können, hat verhindert, daß man damals noch gleich in der hitze, den seind, welcher in so than grosser Forcht gestanden, daß so gar auch die benachbarten Schlösser, als Mosiach, Nastat, Seth, Bardar, Sechzschuch, und andere verlassen wurden, nicht biß an das Schloß verfolgen, und vielleicht sich damals dessen bemächtigen, sondern erst gegen dem Abend einen rechten posto darauff fassen können. Die Nacht darauff hatte Herr Graf von Waldeck mit 1000. andern befelchten die Wacht, und weilen Er selbsten aller Orten seyn müssen, wurde Er mit einem Pfeil in den Armb, Chur Mainsischer Obrist-Leutenant von Sickingen aber, mit einer Kugel in den Leib, waran Er auch seithero gestorben, getroffen, sein Capitain-Leutenant, neben einem Trierischen Leutenant, wurden beschädiget; weilen Sie, wie auch Ihr Excell. selbsten, in dessen daß die Vuter-Befelchshaber, und gemeinen Knecht, so wegen übernommenen Trunck's nicht zugebrauchen gewest, sondern hin und wider in denen Wincklen gelegen, warumben dann auch viel todt und verwundet worden, sich aller Gefahr aussehen müssen; Herr General-Wachtmeister Freyherr von Hemmerling, welcher umb den Plätz zu recognoscirn, etwas zu nahe gegangen, wurde durch ein wider wärtige Verhängnuß des Glück's mit einer Kugel durchschossen, und alsobalden tod gefunden, ein Mann welcher umb deß zu sehr zubetauren, weilen Er über auß viel Kriegs-Geheimnussen gewust, sich auch sonsten beedes in Bevest-und Bezwingung der Stätte der gestalt wol vestanden, daß seines gleichen, auch biß an die abgelegnesten Orte nicht zu finden.
Selbige Nacht haben Ihr Excell. Herr Graf von Zerin, neben Herrn General-Wachtmeister Freyhern von Puchhard, ihr Attaque bey dem Gebürg, Ihr Excell. aber Her Graf von Hohenloe in der Statt gegen deß Schlosses Closter-Kirchen über genommen, darauff Sie des andern Tags, als den 30. (20.) nach gehaltener Berahtschlagung, für gut befunden, daß, weiln das Haupt-Werck ihres Vorhabens allein dahin ziele, anjetzo deß seindes Absehen auff künfftigen Feld-Zug zuvenhindern, daß Ihr Excell. Herr Graf von Zerin, mit der gesambten Ungarischen, und halben Teutschen Reuterey, (über welche der Fürstliche Braunschweig: Lüneburgische Obrist Herr von Rauchhaupt bestellet war) gegen Esseck, alldar die Brucken, ein Werck waran 6. gantzer Jahr gearbeitet worden, zu verbrennen, und in dem Ruck Weeg alles in die Aschen zu legen, vorauß zugehen Ihro belieben lassen wolten, sintemaln wann die verderbung der Brucken, verodung deß Lands, und verjagung des Volcks vorgegangen, nothwendig der seind der Orten so bald sich nicht wider erholen, oder ein so kostbares Werck, ohne sonder grosse Mühe und Gefahr von neuem anlegen wurde können. Nach dem man aber vermercket, daß etliche von denen, so diser Verrichtung beywohne solten, in denen Gedancken stunden, daß, wan in dero Abwesenheit, das Schloß zu Fünffkirchen entweder durch Sturm erobert, oder mit Bedingnuß ergeben wurde, sie se dann der darinn befindlichen Beuten verlustiget werden möchten, haben offt Hochgedacht Ihr Excell. Hern Graf von Hohenloe auff beschehenes Ansuchen, zum zweyten mal dero Gräf. Wort von sich gegeben, daß vor dero Zuruck-Künfft sie nit allein nichts hauptsächliches vorkehren, sondern alles in solchem Stand, damit so dann nach Belieben man verfahren, und deß Orts so vil möglich sich bemachtigen möge, in dessen setzen lassen wolten; nach welcher Erklärung dann Ihr Excell. Herr Graf von Zerin, seinen Fortzug noch selbigen Mittag,
als den 30 (20.) Jan. vorgenommen, und biß gegen dem Abend über das Siglosser Gebürg gerucket, allwo Sie Zeitung bekommen, daß der Groß-Vezier allbereit über die Brucken entgegen ziehen, aber es befunde sich bald anderst, in deme Bericht einkommen, daß es allein ein Bassa von Bosega mit 3. biß in 400. Türcken ware, und mit denen fluchtigen Tartarn, so sich von 900. biß 1000. Mann erstreckten, nur eine Meile von Sigloß in einem Dorffligen thäte, und ob zwar Ihr Excell. solche zu überfallen im Begriff, so musten Sie doch von der finstern Nacht übers eilet, und daß die Siglosser einen Lärmen oder Zeichen-Schuß hören lassen, darvon abstehen, die Tartarn aber, so vielleicht von dero Ankünfft zeitliche Nachricht erhalten, fuhren ungesaummt in ihrer Fluchtfort, und schwembten durch die Donau, inzwischen schickte die in Sigloß liegende Besatzung herauß, mit Bitte, deß Lands mit brennen zu verschonen: Dessen aber ungeachtet, haben Hochged. seine Excell. nach deme Sie erstlich die an der Brucken ligende Balanca, und Schloß Terrack genannt, so mit einem tieffen Wassergraben umbgeben, ersteigen, und die darinn gefundene Türcken nider hauen lassen, das Haupt-Werck den 1. Febr. (22. Jan.) vorgenommen, und die Brücken welche über die Traag von lauter starcken Aichenen Balcken geschlagen, und wegen des grossen Morast, welchen 3. kleine Fluß so darein lauffen, verursachen, 8565 Schritt lang, und 17 breit, also daß 4 Wagen neben einander, und man sonsten über eine Meile Weegs lang darauff gehen können, durch das Koricht und Pimsen angelegte Feur, welches durch sonderbare schickung Gottes der Wind sehr starck fortgetriben, immerhalb zweyen Tagen gantz in Grund hinweg gebrennet, und also dises wunder-schone und Herrliche Werck, welches mehr einer Galaria, als Brucken gleich gesehen, glücklich und ohne einigen Verlust verderbet, dann obwoln die von Esseck etliche Stücke herauß geführet, und sonsten auff der andern Seiten des Traa-Fluß auf 2. Schiffen, darinnen sie Wacht hielten, Starck Feur gaben, haben sie doch wenig gerichtet. In dem hin-und Her-Weeg seynd alle Dörffer und Mühlen, deren der ersten in die 500. gewesen, in die Asche gelegt, und also zugerichtet worden, daß sich der Feind deren in langer Zeit wenig mehr wird bedienen können.
Als nun, wie vernommen, den 30. (20.) Ihr Excell. Hern Graf von Zerin von Fünffkirchen abgeraist waren, setzten inmittels Ihr Excell. Herr Graf von Hohenloe, die Attaque starck und unauffhörlich fort, in welche selbigen Abend der Munsterisch Obristleutenant Collier gegangen, der seinen posto bey dem Bayerischen General-Wachtmeister von Buchhard, rc. dessen Obrist Leutenant Herr Graf Frantz von Herberstein, Ihrer Excell. Herrn Maximilian, Grafen zu Herberstein, rc. der Röm. Kayserl. Mayt. J. D. geheimen Raths, rc. Sohn, ein Herr zwar noch jung, doch einer unvergleichlichen Helden nuitigkeit, mit einem Pfeil onglickhafft erfchoffen worden, genommen; Den 31. (21.) loste ab der Chur Maintzische Obrist Herr von der Leys en, nach disem der Fürstl. Neuburg: Obrist von Hochstetten, Hessische Obrist-Leut. Zobel, Schwedische Obrist-Leut. Baron von Dorn, Chur Cöllnische Obriste Herr Graf von Waldeck, rc. und so fort an big auff den 6. Febr. (27 Jan.) man mit denen Approchen, und Battarien lengst nechst den Graben avancirt, auch unangesehen man weder mit vilen hierzu dienlichen Werckzeug, noch erfahrnen Leuten versehen, gleichwol eine Grufft (Mine) unter der Erden, durch den Graben geführet, und alles was zu bemächtigung deß Schlosses nur dienlichen seyn mochte, der gestalt fleissig eingerichtet, damit obgedachter massen die Würekung erfolgen könnte; zum Uberfluß liessen Ihr Excell. Herr Graf von Hohenloe, auff dero eignen Bewohnung ein Bloch-Hauß setzen, und darauß auff den seind zu spielen, ja Sie kamen so Tag so Nacht, auch mit dero grösten Lebens-Gefahr, weder auß denen Approchen, noch Battarien, sondern verhartten Lowen-Herrig darinnen, ob man schon starck auff Sie zuschoffe, wie dann den 1. Febr. (22. Jan.) als der Fürstl. Lüneburgische Obrist zu Fuß Herr von Micheln, in die Attaque gangen, und Seine Excell wie darinnen zuverfahren, anweisen wollen, Sie der gestalt unter den lincken Armb mit einer Kugel an den Leib getroffen wurden, daß, wann der Schuß etwas höher kommen, und sonsten der Höchste auß sonderbarer Gnade, dises so Edle Haupt, zu mehrern ersprießlichen Diensten der Christenheit nicht erhalten hette wollen, Sie unsehlbar dardurch deß Lebens beraubt wären worden.
Den 5. Febr. (26. Jan.) kamen Ihr Excell. Hen Graf von Zerin nach sieg würdiger Verrichtung zu Fünffkirchen widerumb an, mit welcher Ihr Excell. Herr Graf von Hohenloe rc. so balden Gesprach, und vor nicht unthunlich hielten, daß, weiln bey vornemmenden Sturm des Schloß, zwischen beeden Völekerschafften denen Teutschen und Ungarn vermuthlichen einige Mißhelligkeiten vorfallen möchten, man dene Belägerten Gnad anbieten solte, mit genugsamer Erweisung, daß, weiln sie ohne das an Lebens-Mitteln grossen Mangel, und sich keiner Entsatzung zu getrösten hetten, sie ihre Weiber und Kinder, welche sonsten bey ereigneter Eroberung erbarmlichen nider gemacht wurden werden, ja sich selbsten zuerhalten, kein bessere Gelegenheit haben würden können, als wann sie sich gutwillig, wie ihre Nachbarn, ergeben theten, und wolte man ihnen, biß auff den morgigen Tag Bedenck-Zeit hierzu vergonnen; als sie sich aber biß gegen s. Uhr saumeten, und die 2. diser wegen hinein geschickten Türcken nicht wider zuruck kamen, indessen auch der General-Wachtmeister Herr von Puchhard, Ihre Excell. dem Herrn Grafen von Zerin zuverstehen geben, wie daß von seinem Hauffen vil allbereit franck, beschadiget, und geblieben waren, und dahero zu erhaltung der übrigen den Ruck-Zug einrathe, haben Hochgedacht seine Excell. so wol selbsten mündlich, als durch den Kayserl. Ingeneur Herrn von Wasenhofen, Ihr Excell. dem Hern Grafen von Hohenloe solches hinderbracht, welche aber auß vilen erheblichen Ursachen, zumaln auch die Mine verfertiget, und alle notturfftige Anstalt zum Sturm bereitet, sich darzu nicht erklären, sondern zuvor das Guts Beduncken der andern Obristen und Befelchs-habern, darüber vernemmen wollen, die dann einmütig dahin geschloffen, daß, vngeachtet der grossen Ungelegenheiten des Wetters, und daß sie nach gleichheit eben so vil Krancke hette, Sie dannoch nechst Göttlichem Beystand, zumaln es nur ein geringe Zeit bedurffte, deß Planes zu bemächtigen, sich getrau ten, welche Entschlieffung Ihrer Excell. Herrn Grafen von Zerin fers ner zu entdecken 2. Obristen, anbefohlen worden; darüber Sie dann, der Ihrigen endliche Gemitts-Meynungen auch noch zuvernemen, sich ans erbotten, und wurde schließlichen neben angeführten allerhand andern durchtringenden Ursachen, für rahtsamb befunden, daß in erwogung der allbereits zu beeden Theilen verhandenen vilen Krancken und Beschddigten, zu welchen fort zu bringen bey einer so vntauglichen Jahrs-Zeit Die Mittel schon ermangleten, auch daß wegen der wehenten scharpffen Wind, und streng anhaltenten Kälten, alle, so wol Krancke, als Gesunde, in höchster Gefahr deß Lebens stunden, über daß Ihrer Kayserl. Mayt. Dienste, weiter was gegen disem Plätz vorzunemmen, der Zeit nicht erforderten, und besser wäre die Leut zu sparen, als an einem Ort den man noch wol, und zu einer bequemern Zeit bekommen könnte, zu verlieren; denen Chur-Bayerisch: und Ungarischen beyzufallen, und der Abzug zubeschleunigen; bey welcher Erklärung dann, mehr offt Hochd. Seine Excell. Herr Graf von Hohenloe, mit dero unterhabenden Kriegs-Heer auch beruhet, und gegen Abend zu Ihrer Excell. Herrn Grafen von Zerin, umb alle Anstalt des vornemmenden Auff-bruchs zu machen, sich verfüget.
Den 7. Eebr. (28.Jan.) als eine Stund vor Tag die Teutschen Fußknecht zum theil unter der Obsicht der Fürstl. Neuburg: und Lüneburgischen Obristen zu Fuß Herrn von Dochstetten, und Herrn von Micheln; wie nicht weniger die Heyducken unter dem Obrist-Leutenant von Copreinitz Herrn Ferdinand von Labeneck, die auszichenden zu bedecken, sich unter das Schloß gestellt hatten, zoge die gesambte Mannschafft, nach deme sie zuvor auf Befelch Ihrer Excell. die gantze Statt in Brand gebracht, mit denen darinn sich befindenden Christen gegen 10. Uhr herauß, und ruckten noch bey guter Tags-Zeit eine Meil fort biß sie bey einem Dorff still lagen; den andern Tag giengen sie 2. Meilen, und blieben dißseit Sigeth, den dritten aber Sigeth vorbey über den Paß, da sie mit dem Feind in ein zimblichen Lantzen Anstoß, auch in dise Gedancken gerathen, die Vor-und grosse Statt Sigeth auff dißmal zuverbrennen, nach dem aber befunden worden, daß man sich deßwegen einen Tag auffhalten müste, hat man es umb auff ein ander gelegnere Zeit solches werckstcllig zu machen, indessen verschoben, darauff Morgens den 10. Febr. (31. Jan.) Ihr Excell. Herr Graf von Zerin seinen Weeg auff Babosch, umb daselbst wegen der Besatzung die Verfügung zu thun, Ihr Excell. Herr Graf von Hohenloe aber, den geraden Weeg auff Segest zu genommen, und beede sich veranlasset, daß Sie den 12. (2.) Febr. gegen Mittag bey gedachtem Segest zusammen kommen wolten.
In wärendem Fort-Zug fielen die Türcken, so sich auß denen Besatzungen unter IS. Fahnen über 2000. und von einer zimblichen Anzahl Tartarn versamblet hatten, in die Arrigarde, welche Herr General-Wachtmeister von Bambach führete, und in Fürstl. Neuburgis: Bremisch: Pommerisch: 4. Lüneburg: und ein Würtenbergischen Hauffen bestunde, und haueten gleich Anfangs, che sie erkennt wurden, (dann man vermeinete sie waren von den Budianischen Ungarn, weiln sie einander an Kleidung, Gestalt, und Küstung sehr ähnlich schienen) von denen Unserigen nider; wichen aber, so bald Widerstand beschehen, und die Esquadronen auff sie loß gangen, eilfertig zuruck; Je dannoch, als die Unserigen dieselben in etwas zu weit verfolgt, und in ein Enge, da vor disem ein Stattgestanden, gerathen, haben sie solches wahr genommen, von den Unsern, sonderlich aber von den Fürstl. Neuburgischen (dessen Rittmeister Herr von Eynenden, ein hertzhaffter Mann, der damals seine Person kühnlich verfochte, neben empfangenen 9. Wunden die lincke hand verlohren, sein Leutenant aber mit der Lantzen durchrennet wurde) wie auch dem Pommerischen Hauffen etlich und zwantzig gesäbelt, es entsetzte aber der Fürstl. Lüneburgische Obrister zu Pferde Herr von Rauchhaupt, wie auch der Fürstl. Würtenbergische Rittmeister von Eyb sie unanständig, und trieben die Türcken zuruck, von welchen 22. sehr Vornehme, warunter der geweste Commandant von Bresniz, so noch wol erkannt mochte werden, ohne die sie mit hinweg geführt, deren man ein grosse Anzahl gewesen zu seyn vermeint, todt ligen verblieben.
Nach dem nun das Gerücht von solchem Auff-stoß an die Arrnquardi kommen, seynd Ihr Excell. Herr Graf von Hohenloe, nebenst dero Reuterey, ihnen beyzustehen, in aller Eil zuruck gegangen, auch den lincken Flügel von dem Fußvolck biß an oben gedachtes Ort anzuziehen befelcht, befunden aber bey dero Ankünfft, daß der Feind durch die Flucht sich bereit entzogen hette, darumben Sie, nach deme die Verwundte und Todten auffgehoben, und der Türcken Kopff von denen
nachkommenden Hussarn, auff die alldorten herumb stehende Zeune gestecket, Ihre gesambte Hauffen zuruck genommen, und fort gezogen, selbige Nacht bey einem Dorff, darbey ein grosser Morast, gestanden. Deß andern Tags, als den 11. (1.) Febr. frühe Morgens auffgebros chen, und zwey Meile weiters gegen Segest zu gerucket, allwo Herr Graf Budiani ohn weit darvon in einem Wald gelegen, umb Mitters nacht auffgebrochen, und, gleich wie seithero deß Ruck Zugs von Fünffkirchen jederzeit beschehen, den Vor-Trab gehalten, auch den 12. (2.) Febr. Vormittags bey Segest angelangt, den Plätz erkundiget, und so vil durch ein noch stehendes haußlein wahr genommen, daß solcher Orth in vier Ecken gebauet, deren jeder ein grossen runden Thurn, von hohen dicken Aichenen Höltzern zusammen gesetzet, und mit Erden überworffen hetten, von denen stunden widerumb etwas fürtzere nicht gar eines Manns hoch, rings umb her zween druckene Gräben, die auff beeden Seiten gleichfals mit dicken Hölzern, und in der Tieffe mit Spanischen Reutern verwahret, endlichen war der ausserste Graben abermaln mit dicken Aichnen Pallisaten einer guten Picken Hoch umbgeben, also daß man sich wol, wann man nur gewolt, darauß hette wehren können.
Nach deme aber bey unserer Ankünfft die zu Segest selbsten ihre Vor Statt angezindet, und etliche Hauser die nahe an denen Pallisaten gestanden, verbrennet, hat dardurch eine grosse offnung sich ereignet, so daß Ihr Excellenz Herr Graf von Hohenloe, rc. geschlossen, daß auff derselben Seiten die Stück am stiglichsten gepflantzet, und dem Orth am besten könnte zugesetzet werden, weilen man aber bereit ein zimblichen Mangel an Brod, auch daß man mit Pulver und Bley, wann selbiger Orth sich wehren solte, bey weitem nicht klecken wurde, vermereket; hat man vor rahtsamer erachtet, das gantze Kriegsheer auff einem Feld, wo die Besatzung solches füglich ersehen könnten, vorbey rucken zu lassen, Herr Graf Budiani aber hat seine bereits ges ftelite Bngarn sticht wenden wollen, westwegen Ihr Excellenz dero Vor Trab widerumb zuruck, und auff der andern Seiten der Statt das übrige Heer seinen Zug nenamen lassen.
Und ob zwar die in der Besatzung eilich mal auff die vor auf gehende Hauffen mit Stücken geschoffen, und sich gleichsamb zur Gegen=Wehre zu sehen schienen, so liessen sie je dannoch, nach deme sie solche einen grossen Nachfolg in einer so schönen Zug-Ordnung erschen, das Herr als sobald fallen, und begehrten Sprach zu halten, warauff, als ihnen solches vergunnet worden, zween Agen, nebens dem Gebieter der Vestung auff einer Laitern herunter kamen, und wurde mit ihnen endlich gefchlof sen, daß sie zwar ohne Gewehr abziehen, Herrntgegen 40. Christen, als 20. Teutsche, und 20. Ungarn, auß Türckischer Gefängnuß entledigen solten, welches, als sie versprochen, behielt man den Commandanten, und 6. der Vornembsten, bih die Christen gelüffert wurden, zu Geisseln; zoge also die Besatzung, so zwar nur in 40. Mann bestanden (sintemaln die andern Inwohner vorhero auß der Statt geflohen, und dise von Canisa auf dahin befelcht waren worden) den 13.(3.) Febr. Morgens ab; das darinn gefundene Gewehr, sambt etlich und zwanzig Pferdten, unter welchen etliche schone, wurden unter die Kriegs- Hauffen zertheilet, der Pflatz aber, warinnen zween Fahnen, und unterschiedliche Stück, wie am Ende zu sehen, verhanden, durch den Ober-Befelchshaber von klein Comorn mit Heyducken besetzet; so daß durch dif, wie auch durch Preßnitz und Baboschen, Canisa fast, als belägert, verbleibet.
Noch selbigen Tag gegen 1. Uhr broche die Armee auff, und raisete ein Bugarische Meile Weegs weiter, biß sie nachmals den 14. (4.) Febr. Preßnitz vorbey eine Meile von der Vestung Zerinia, in einem Dorff sich lägerten, darauff sie den 15. (5.) Febr. eine Stund vor Tags, sich wider erhoben, bey der neuen Vestung über die Brucken, und nach erhaltenen Befelch, ein jeder seinem Quartir zu gangen.
Was auff unserer Seiten, auffer der oben benennten, geblieben, verwundet, und erkrancket, kan man eigentlich der Zeit noch nicht wissen, je dannoch wird vermuhtet, daß deren ein geringe Anzahl, und gegen einer so hochwichtigen Verrichtung, dardurch dem seind ein so grosser Abbruch beschehen, fast gar nicht zurechnen seye, dann man wird solches leichtlich zu geben, wann man in Betrachtung zichet, die über auß schweren Unkosten, und die erforderende viele Zeit so auff Erbauung der Brucken, welche in zweyen Tagen auff ein mal in Grund zu nichten gemacht worden, gegangen, undbedencket, daß nicht ein geringe Anzahl der Christen erlediget, und andern das Joch der Dienstbarz keit auch abzuwerffen Anlaß gegeben, über tausent Dörffer, und viel schatzbare Mülen, neben einer grossen und anschlichen Statt (so der Statt Wienn'in der Grosse gleichen solle) verbrennet, drey veste Plätz abgenommen, und befekt, so viel Schlösser und Balancen verwustet, in die 3000. Pferdt, warunder etlich hundert Haupt-Roß, auch über 20000. Stück Picch erobert, und dem Feind ein solche Forcht eingejagt worden, daß, wann man mit genugsamen Stücken, auch andern unendbarlichen Lebens-und Kriegs-Mitteln wäre versehen gewesen, bey dieser Gelegenheit solche Ding wurde verrichtet haben, wardurch zu künfftigem fernern Fort-Zug der gantzen Christenheit ein offner Weeg, Herk und neue Anmutung gemacht wäre worden.
Die Gütigkeit deß Höchsten seye doch entzwischen vor diese Ihr gnädige Bey Hülff gepriesen, die wolle hinfuro unsere Waffen segnen, dem abgesagten Erbfeind seiner Kirchen Abbruch, uns aber hertzhafften Widerstand verleyhen.
Verzeichnuß der Stücke und Geschütze, so in denen dreyen Vestungen zu Preßnitz, Babotscha und Segest gefunden und hinderlassen worden.
Zu Preßnitz.
1. Ein sechs Pfündiges Stück mit diser Schrifft: Gubernaculis gerenda sunt bella. M. Cervatius Aretz goß mich 1529.
2. Ein kleine Feldschlangen, so 4. Pfündige Kugeln schieffet.
3. Ein zersprungen Gestücke.
4. Ein 15. Pfündiges Stück, von Maximiliano Secundo 1571.
5. Ein fünff Pfündiges Stücke.
6.7. Zwey 4. Pfündige Stücke.
8. Ein kleiner Feur-Mörser.
Zu Babotscha.
1. Eine 3. Pfündige halbe Falcone vom Ungarischen Palatino Thoma Nadasti.
2.3.4.5. Vier kurze Stücke, führend die Calibre, als ein viertel Cartaunen, von Ferdinando 1559. eines Gusses.
6. Ein schöne lange Viertels-Cartaun von Maximiliano Secundo 1571.
7. Dergleichen ein anders von Ferdinando.
s. Ein vier Pfündiges von Rudolpho Secundo 1579
9. Ein lang acht Pfündiges, non Friderich Pfalz-Grafen, die Dirne genannt 1535.
10. Ein drey Pfündiges, auch von Ferdinando 1552.
11. Ein dergleichen vom selbigen Guß und Jahre.
12. Ein Türckische halbe Schlangen, von 3. Pfünden, sonder einiges Zeichen.
13. Ein Einpfündiges von Ferdinando 1552.
14. Ein sechs Pfündiges von Ferdinando 1552.
15.16. Zwey kleine enferne Stücklein, ohn gefehr 1. Pfünd schiessend.
Nota,Nota. Von Bartschseynd nacher Babotscha geführt worden 4. Türckische halbe Schlangen, ein Kayserl. Falcone, und 3. Schrot-Stücke, auff deren einem stehet Ferdinandus Rex me fecit, 1553.
Zu Segest.
1. Ein kurtz acht Pfündiges Stück von Ferdinando 1559.
2. Ein zersprungene Türckische halbe Falcone.
3. Ein viertel Falcone 1530. warauff ein Wappen von Löw und Adler.
4. Ein Türckische viertels Falcone.
5. Ein gleichmässiges etwas grösser.
6. Ein drey Pfündige viertel Schlange 1591. darauff das Wappen ein Schloß.
7. Ein Türckische viertel Schlange.
s. Noch ein Türckisch zwey Pfündiges.
9. Ein Feurmörsel von Rudolpho Secundo, wirfft 8. Pfünd.
10. Ein zersprungene Türckische viertel Schlange.
11. Noch eine Türckische viertel Schlange.
12. Wider ein etwas geringere.
Thun in allem 44. Stücke zusammen.
ENDE.
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