1663: Petar Zrinski's battle

 Ortelius Redivius

Die Tartarn und Türken, nachdem ihnen ihr obiger Anschlag auf Preßburg nicht angehen wollen, nahmen ihnen hierauf abermals einen Streif nach Mähren zu, und faßten den 27 dieses an dem Paß bey Rosincko, im Rädischen Kreiß gelegen, und selbigen Lands-Hauptmann, Herrn Grafen von Serin gehörig, an, welchen ein Hauptmann mit 200 Wals lachen, sammt den Landvolk verwahren sollte. Der Feind aber kam ihm so geschwind und stark auf den Hals, daß er selbst nur in Hemd und mit etwann 40 Mann nach Ungarisch Brodt entwischte. Worauf der Feind an Türken, Tartarn, Wallachen, Hussaren, und einigen Janitscharen, auf die 14,000 stark, weiter fort Brunau vorbey, und tieffer ins Land hinein, gegen Kloback zugieng, und mit Sengen und Brennen, Morden und Hauben Haufeten wie zuvor, auch auf einem Haufen bey 2,000 Seelen, welche sie alle nackend in fliegenden Haaren mit Peitschen vor sich hin trieben, nach Ungarn führten: hierbey hatten sie auch noch viel Kaleschen voll vornehmer Leute, und vor jede mit sechs Pferden bespannte Karetten mit Frauenzimmer.

Was nun für neuer Jammer und Elend hieraus entstanden, ist schwerlich zu beschreiben: aus Mähren, Oesterreich und Ungarn flüchtete sich alles nach Brünn, oder was Hohe von Adel, die Donau hinauf täglich, als wenn alles in Verlust gienge, und hatte der arme Landmann weder Trost, Schirm noch Schutz. und ob wohl ein jeglicher gern mit fort und wider den Feind zu Felde gegangen wäre, wollte man es doch nicht haben, daß sie sollten bewährt werden, doch endlich wurde der 30, 20, und 10 Mann aufgebothen, und nichts destoweniger mußten sie die geworbene Soldaten in Häusern haben, und das Monat Soldaten Geld darzu geben, sie möchten es auch nehmen woher sie wollten, oder es hieß, gehe von Haus sammt Weib und Kind, da war keine Barmherzigkeit. Hierzu kam noch die allbereit über handnehmende Theurung, dieweilen die Oerter, wo das meiste Getraid gewachsen, bis gegen Brünn und Olmük, verbrens net und verdorben worden.

Was aber den bedrangten Leuten wiederum einen Muth machte, war, daß sie hörten, welcher Gestalt die Ungarische Herren Stände jenseits der Donau, in Ansehung des höchst gefährlichen und übel zerrüttes ten Zustands ihres lieben Vaterlands, sich zu Eingang dieses Monats miteinander verglichen, und den hieben vor mehrmals gerühmten Herren Grafen Niclas von Serin, wegen seiner bisher würklich erwiesenen Tapfers Feit, in Gegenwart, und auf bewegliches Zusprechen des Kaiserl.  Herrn Abgesandten Grafens von Rothal, zu ihrem Generalißimo, oder Obersten Feldherrn erwählet, felbiger auch den 12 dieses Röm. Kaiserl. Majest. Deswegen den Eid der Treu abgelegt hatte.

Aber es eraugneten sich gleich anfangs allerhand Schwierigkeiten hierbey: denn eines theils Ungarn waren mit ihm, dem Herrn Grafen, als einem Croaten, nicht aller dings wohl zufrieden, die Croaten aber wollten ihm, der Neuhäusel gern entsegt hätte, nicht folgen, vorwendend, daß sie nicht verbunden wären aus dem Land zugehen, sondern nur ihr Land zu beschützen.

Nachgehends als er diese ein wenig auf guten Weg gebracht, und theils Spanschaften zu seinen Croaten und deutschen Völkern gezogen hatte, und nach des Kaiserl. Hofs endlichen Willen und Meynung Vors habens war, sich mit des Herrn General Feldmarschalls von Montecuculi Deutschen Völkern zuvereinbaren, und dem Feind bey Neuhäusel unter die Augen zugehen, protestirte der Herr General Feldmarschall starck darwieder, vorgebend, daß ihnen die Lebens Mittel vor Menschen und Vieh, welche die Deutsche selbst schon auf 6 Meilen weit suchen mußten ermange'n wurden: zeigte ihm auch, als er nach diesem weiter drauf drang, eine schriftliche Ordre von Sr. Fürstl. Gnaden von Porzia, als der Röm. Kaiserl. Majest. Obersten Hofmeister, und vornehmsten Staats- Ministro vor, daß er sich zwar mit dem von Serin in einem und dem andern besprechen, nicht aber conjungiren oder vereinbaren follte.

Derhalben machte er sich den 13 dieses wieder zu seinen Völkern bey Raab, gieng in die Insul Schütt gegen Comorra zu, und lauerte daselbst auf der Türken Lager, wenn dasselbige vor Neuhäusel aufbrechen wurde.  Immittelst hatten die Tartarn, nachdem sie mit dem Raub aus Mähren wieder im Lager ankommen waren, sich gegen der Vestung Comorra niedergeschlagen, und etwann 1,000 Türken an sich gezogen, brachen den 17 dieses zusammen auf, und giengen eine Meilweegs gegen Gran zu, als wären sie willens dort über zugehen, begaben sich aber, auf empfangenen neuen Befehl, alsbald wieder zurück nach ihrem Haupts Lager bey Neuhäusel. Hierauf, weil eben in der Zeit die Schiffbrück über die Donau und Waag bey Comorra fertig worden, gieng hochge dachter Herr Graf von Serin mit etlich tausend Pferden über, fatzte sich ohnweit von dem türkischen Lager an einen vortheilhaftigen Ort ohnvermerkt nieder, und schickte eine Parthey von 700 Pferden voraus, das Türkische Lager anzugreifen, und dem Feind ins Feld zu locken, massen auf gemachten Lärmen alsbald etliche Türkische Trouppen dieser Serinischen Parthey nachsprengten, und selbige so weit verfolgten, bis sie unter des Herrn Grafens seinen Hinterhalt geriethen, da er denn mit seinen Schwadronen dem Feind überseits einhieb, 400 niedersäbelte, viel beschädigte, und einen Bassa sammt einem Rath des Groß-Veziers, neben vielen Pferden, mit allen ihren Rüstungen gefangen kriegte.

Unter währenden Scharmüsel, als der Feind den Herrn Grafen vers merkte, kam der Vice- General des Groß-Veziers (welcher auch blieb) mit dem Bassa von Alapo, und mit allen seinen unter ihm stehenden Völs kern in höchster Furi auf die Serinische angerennet, und zwang endlich den Herren Grafen mit seiner Macht zurück zu gehen, welcher seine Zu flucht zu den Canonen in der Vestung Comorra suchte, die ihm denn sehr wohl zu Hülfkamen, und dem Feind das Feld raumen, dem Serin aber Plaß machten, sich wieder über die Brück mit den gefaßten Beuten zu begeben.

So erzeigte sich auch eben dieser Tagen, und zwar den 17 dieses, das Glück des Herrn Generalissimi Herrn Bruder, Graf Peter von Serin, den er indessen bey seiner Abwesenheit, drunten in Croatien, die Gräntzen zuverwahren gelassen hatte, durch Gottes Gnad so günstig, daß er mit wenig der Seinigen ein großes Unglück von selbigen Landen abhielt.  Denn weil der Tschengitsch Bassa, oder des Aly-Bassa Statt halter in Bosnischen Bezirck, des Herrn Graf Niclas von Serin Abzug vernommen, sammlete er so bald aus Bosnia und Dalmatia bey die zehn tausend Mann zusammen, ließ zwey tausend davon bey Lica und Corbava stehen, und mit den übrigen 8,000 nahm er seinen graden Marsch nach Ottoschatz, ohnfern Carlstadt gelegen, des gäntzlichen Vorhabens, daß er die an Oesterreich gräntzende Landschaften mit Feuer und Schwerdt gänzlich verderben, und der türkischen Grausamkeit einem offenen Weeg zu ferneren Einbruch machen wollte.

Es hatte aber der Herr Graf Peter von Serin den 16 dieses, etliche Gefangene einbekommen, welche glaubwürdig aussagten, daß eben dieser obgedachter Bassa von 7 bis in 8,000 Türken zusammen gebracht, und damit die Vestung Serinwar anfallen, im Fall es aber mißlingen sollte, doch zum wenigsten das Land mit Feuer und Schwerdt in Grund verderben, auch das gemeine Land-Volk in ewige Dienstbarkeit hinweg führen wollte. Auf solche erhaltene Kundschaft ließ der Herr Graf in aller Stille bey 4,000 wohlbewährte Croaten, und geworbene Soldaten auffsitzen, und rückte damit den 7 und 17 dieses sehr früh hinaus in einen Wald, da die Türken ihren Marsch vorbey nehmen musten.  Zwischen 6 und 7 Uhr kamen die Türken auch in großer Still angezogen, in Meynung Das Land von den Serinischen gang leer zu finden: als nun die Hälfte der Türken den Wald vorbey waren, grif der Herr Graf dieselbigen zu beyden Seiten dermassen an, daß sie in keine Batallia, oder Ordnung kommen konnten, und ihrer nach einem zweystündigen Gefechte über 1,000 auf der Wahlstadt liegen blieben, auf die 256 gefangen, wie auch acht Fähnlein und etliche Hundert Pferde, darunter 14 Haupt-Pferde mit filbernen Roß-Gezeug, sammt anderen guten Beuthen erobert wurden. 

Unter den vornehmen todten Türken befand sich:

1. Des Aly Bassa Tschengitsch, so die Parthey geführt, Sohn, Aly Beeg zu Herzogevina.

2. Mustaff Beeg zu Udina

3. Ibrahim Aga Senthattitsch, des Bassa Chiahia Verwalter in allen Sachen.

4. Dessen Unter Verwalter

5. Mustaph Agha Kurtagitsch

6. Amon Agha Gredenowitsch. 

7. Amon Agha Kovotschowitsch

8. Mustedon Agha Kovotschowitsch

9. Seim Agha Sefferagitsch


Unter den vornehmsten Gefangenen befand sich:

1. Des Aly Bassa Tschengitsch leiblicher Bruder, Namens Basileny Kurtagitsch.

2. Der Janitscharen Agha oder Zausche.

3. Ibrahim Agha Kopotschowitsch.

4. Muchatin Agha Hoffenogitsch, und über diese noch etliche Spahien, und dann andere Janitscharen in obgedachter Anzahl.  Unter den Todten waren auch noch unterschiedliche ander vornehme Türken, so nicht zu erkennen, und dahero nicht können gemeldet werden.

Mittler weil stellten sich die Ungarischen Herren Stände und Gespannschaften diesseits der Donau bis an Croatien, in ihren zwischen Papa und Comorra geschlagenen Låger in ziemlicher Anzahl an, so daß nachgehends, bey der am 28 dieses, vorgegangenen Musterung, ihrer 8,350 zu Roß, und 11,950 zu Fuß gezehlet wurden, ohne des Herrn Generalissimi von Serin seine eigene Croaten, und andere Völker, deren auch bey 15,000 waren. Und konnte mit allen diesem Volk, weil es nunmehr schon spat im Jahr war, nichts fruchtbarliches ausgerichtet, sondern es mußten die Ungarn wieder nach Haus gelassen werden.

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