Herbard VIII, Freiherr zu Auersperg (1528-1575)
by Peter von Radics, 1862
“Herbard VIII, Freiherr zu Auersperg (1528-1575): ein krainischer Held und Staatsmann”, by Peter von Radics, Wien, 1862. pp 291-315.
Wie bei den frühern und spätern Aufständen der windischen Bauern (1503, 1515, 1633, 1635), so ist in gleicher Weise auch bei diesem des Jahres 1573 die Grundursache in der Verletzung der Rechte des Bauers und in der oft maasslosen Bedrückung desselben durch die Herrschaft zu suchen.
Die Herrschaften führten dazumal ein unleidliches Regiment sie steigerten die Robot, sie vermehrten die Anschläge (so erhöhte der später näher zu berührende Besitzer des Schlosses Sossed [in der windischen Mark] den Weinanschlag gleich um 22 Pündt jedem Unterthan) ebenso hatten sie, und dies war besonders bei den Pfandherrschaften der Fall, Mauth und Zölle in Beschlag. Hiezu kamen noch des Einen oder Andern vom Adel specielle Vergehen, die, meistens den Geboten der Sittlichkeit Hohn sprechend, gewiss am wenigsten geeignet waren, dem Landmanne jene materiellen Lasten vergessen zu machen.
Neben den Besitzern erschienen dann hauptsächlich deren Organe, die Pfleger und Aufschläger, als Feinde des Bauers und dessen Hass gegen diese Leute war, und gewiss mit Recht, grösser, als der gegen die Herren selbst.
Ein Beispiel, wie die Herren damaliger Zeit verfuhren, bietet uns Ferencs Tahy, Inhaber der Herrschaft Sossed. Es wurde von ihm bereits angeführt, wie er den Anschlag in unsinniger Weise erhöhete, des weitern finden wir über ihn die Klage verzeichnet: „daß er Ihnen das Ihrige nehmen lasse, ja wo einer ein schön Weib oder Tochter gehabt, hat ers Ihnen auch genommen und seinen Muthwillen mit ihnen getrieben, hatte er ein altes Ross, das nichts mehr werth gewesen, so nöthigte er einen seiner Unterthanen, es zu kaufen, hatte er verdorbenen Wein in seinen Kellern, so theilte er ihn den Leuten aus, nachher machte er darüber die Rechnung und wer nicht bezahlte, dem nahm er Ross und Vieh weg."
Sein Vieh liess er sich von ihnen unterhalten desgleichen die Jagdhunde, ging von dem einen oder andern ein Stück verloren, oder stand es um, so musste ihm das Vieh mit baarem Gelde, je ein Hund mit einem Ochsen, vergütet werden.
Auch den Liedlohn enthielt er seinen Dienern vor; dem Gussetič einem nachherigen Bauernhauptmann durch volle acht Jahre.
Solche Gründe mögen wohl an den meisten Orten, die sich später der Bewegung anschlossen, vorgelegen haben, wenn man auch annimmt, dass Unlust am Arbeiten, sowie Begierde nach Raub und Genuss ebenfalls ihr gutes Contingent dazu gestellt haben.
Gegen der Herrschaften Gebahren brachten nun die Bauern im Laufe des Jahres 1572 zu wiederholten Malen beim Kaiser ihre Beschwerden an, wobei sie noch den Umstand betonten: „daß auch Ihre fürstl. Durchlaucht (der Erzherzog) allerlei Beschwer mit Zoll und Daz anfangen, und keine Milderung und kein Ansehen geschehe, da ihnen doch von Alters her bis zuvor mit ihrem Gut zu handeln (nämlich bis zum Meer hin) freigestanden habe.”
Was diese Klage über den Landesfürsten betrifft, so fehlte wohl den Bauern das Einsehen" in die Zeitläufte, wo der Türke fortwährend an den Grenzen stand und sie alle Augenblicke überschritt!
Jene Deputationen an den Kaiser bestanden hauptsächlich aus Unterthanen des genannten Tahi von Sossed.
Sie war das eine Mal um St. Gottstäuferstag (24. Juni) 1572 nach Wien „zu der Röm. Kais. Majestät" gegangen und hatte da über den Tahy Ferencz obgenannte Klage geführt.
Jedes Dorf der Herrschaft Sossed hatte dazu einen Vertreter abgefertigt und ihm die Reise nach Wien bezahlt.
Da jedoch die gemachten Vorstellungen von wenig oder gar keinem Erfolge waren, so betrieben die Bauern die Erweiterung und Festigung des Bundes, den sie schon vor der Absendung der Deputirten aufgerichtet hatten.
Jakob Fratrič, ein gefangener Bauer, sagt in der Verhandlung zu Laibach (7. März 1573): „Um Georgi (23. April) verschienen Jahres seien von Stubiza und Werdowetz bei 40 Bauern nach Stopnik, dem Dorfe, wo er wohnte, gekommen und hätten die Inwohner zum Bunde aufgefordert und von jedem Hause eine Person begehrt.“
Damit stimmt auch die Angabe des Ivan Sfrast aus Pužke (unter Sossed gehörig), welcher sagt: Der Aufruhr (Bund) habe begonnen um Georgi des fertigen Jahres - damals sei er mit Mathias Fistrič gerade zu Wien gewesen (es ist hier die erste Deputation gemeint, von welcher uns aber die Details nicht bekannt sind). Der Matia sei jedoch eher bei den Bauern gewesen als er."
Dieser Zusatz weist deutlich auf eine bereits vor der Absendung der ersten Deputation bestandene Verschwörung.
Nun wird die Frage entstehen, an welchem Orte der Bund zu allererst begonnen habe. Wir können, gestützt auf mehrfache Belege, Stubiza, Werdowetz, Sossed und Khaisersperg als diejenigen Orte bezeichnen, denen in gleichen Theilen die Priorität zufällt. „Die von Stubiza waren seit drei Jahren mit Tahy in Widerwillen gewesen und hatten sich aufgemacht und die andern zum Bunde genöthigt", so sagt El. Gregorič, oberster Capitän Aller und Führer derer von Sossed, zu Wien am 11. April, von Werdowetz waren die Beschwerdeschriften an die Majestät ausgegangen, denn der Pfaff von Werdowez hat ihnen alle ihre Schriften nach Hof gestellt".
Dass die von Sossed und Khaisersperg auch mit zu den Ursachern" um im Tone jener Bauern zu sprechen gehörten, beweist die dem Elias Gregorič zu Wien 4. Mai vorgelegte Frage, dessen Wahrheit er nicht leugnen kann, obschon er die Hauptschuld von sich abzuwälzen sucht. Der bezügliche, dem Elias vorgehaltene Artikel lautet wie folgt:
„Als nämlich ein drei Tage, zuvor die Aufrur sich erhob, habe Herr Stefan (von) Gregorianz im Beisein etlicher Herrn mit dem Tahy beschlossen, das Geld um den von Sossed zu erlegen, worauf die Bauern dem Gregorianz und sein Schwager geschworen und alle Gehorsam zugesagt, ihnen auch die Hand darauf gegeben und alle Sachen gestillt gewesen, wie es aber auf den Elias gekommen, habe er die Hand nicht reichen wollen, sondern sei davongegangen, und in der dritten Nacht hernach habe er überall zu den Bauern am Werdowez geschickt, und aufgeboten, dieweil die Kaisersperg'schen sich sammeln und die Sossed'schen überziehen wollen darum, daß sie sich diesem Herrn untergeben hätten, das war ihrem Schwur nicht gleich, sie sollen sich mit ihnen erheben und sollten ihm alsbald ein 60 Büchsenschützen zu seinem Haus schicken, daß sei also geschehen und hab' sich also der erste Lärm vornemlich von ihm, dem Elia, also angehoben."
Nun entstehen die weitern Fragen nach der Intention des Bundes, und nach seiner Einrichtung.
Die erste dieser Fragen beantwortet sich leicht: Man beabsichtigte Beseitigung der Adeligen, der Pfleger und Aufschläger, Oeffnung der Strassen und wie im 1515. Jahre die „stara pravda" die Wiederherstellung der alten kaiserlichen. Gerechtigkeit. Zu dem Ende sollte Alles, was edel sein wolle, mit Weib und Kind, und in allwegen aber die Aufschläger und was denselben anhängig, erschlagen, und deren Häuser niedergerissen und geschleift werden, und wenns 7 Jahre dauern würde", das war ihre feste Meinung, wollten sie sich die Pässe und Wege zum Meer hin freimachen.“ Wie weit sie gegangen wären, falls ihre Sache gesiegt hätte, wer kann dies wohl absehen?
Die Aussage des Sfrast am 25. Februar lautet dahin: „Sie hätten, wenn sie über ihre Herren Sieger geblieben wären, wahrscheinlich für sämmtliche windische Lande zu Agram eine kaiserliche Stelle aufgerichtet, Zins und Steuer selbst eingehoben und die Grenzen selbst versorgt.”
Hiemit stimmt durchwegs das, was die Bauern, zu Wien befragt, wie sie sich, da es ihnen gelungen wäre, daß sie die Obhandt bekommen gegen der fürstl. Durchlaucht auch gegen der kais. Majestät hätten verhalten wollen?" immer antworteten: „Sie hätten Alles unter Ihre Majestät und fürstl. Durchlaucht Gewalt gestellt".
Ueber die Einrichtung des Bundes lässt sich aus den zerstreuten und nur neben beiden einzelnen Berichten und Aussagen angefügten Notizen Folgendes feststellen:
Der Beitritt zum Bunde musste beschworen werden, sowie von Einzelnen, so von ganzen Ortschaften, sobald sie sich der gemeinen Sache anschliessen wollten.
Der Bund erweiterte sich theils durch freiwillige Beitritte, so derjenigen Individuen, die eine Anführerstelle zu erreichen hofften, oder ganzer Gemeinden, die zu Aufruhr und Empörung geneigt waren (so z. B. die Ranner, die Gurckfelder u. a.), theils aber, und dies gilt insbesondere von den armen Bauersleuten, von der grossen Masse, durch Zwang und Nöthigung. So heisst es in Bezug auf letzteres in einem Briefe Christoph Gall's (in Rann) an Egkh und die Verordneten in Krain (ddo. 22. Februar): „darauf haben die Anstifter des Bundes zu ihrem Vornehmen alsdann erst (nämlich nachdem sie die Anführerstellen unter sich vertheilt hatten) den armen Mann mitzuziehen genöthigt, und also auch herüber (nach Rann) gekommen, deren auch da viel mitzuziehen genöthigt, etliche aber dermassen gemartert und geschreckt, daß die andern gleich aus Furcht selbst zugelaufen."
Wenn die Anstifter auf Werbung auszogen, pflegten sie „nächtlicher Weile" in die Dörfer zu kommen, wo sie die lüderlichen Insassen noch in den Schenken trafen und die Ueberredung eine leichte war; bei den Nüchternen wiesen sie wohl auch ein kaiserliches Petschaft vor und bewogen sie so zum Mitziehen.
Dass auch andere Mittel, als das blosse Wort, von den Verführern angewendet worden, dafür haben wir keine Belege; von Bestechung des gemeinen Mannes durch Geld ist nirgends die Rede; die von diesem oder jenem Edelmanne oder Pfleger hie und da gespendeten Thaler oder Ducaten, die an einigen Stellen genannt werden, waren nur als Unterstützung für Proviant, Munition oder dergleichen, nie aber für Einzelne gegeben.
Charakteristisch für jene Zeit ist das 24. Fragstück, das dem Elias Gregorič in der ersten mit ihm zu Wien gehaltenen Verhandlung zur Beantwortung vorgelegt wurde. Er sollte bekennen, ob es wahr sei, dass er den Leuten einen Trunk aus einem irdenen Becher gegeben, davon die alsbald, „ob sie gleich zuvor nit willen oder Lust zu solcher Aufruhr gehabt, Lust dazu bekhumen vnd sich seinem des Gregorič willen unterthänig gemacht haben.” „Was solches für ein Trankh gewesen, wie er zugerichtet war, was Kraft er gehabt habe"; seine Antwort lautete: „er wisse nichts von einem Trunke", und wir müssen diese Aussage, selbst wenn wir seinen Worten nicht Glauben schenken wollten, dennoch für wahr halten, da sich für das Thatsächliche jener Beschuldigung nirgends ein Beweis auffinden lässt.
Die Orte, wo die Häupter ihre Zusammenkünfte hatten, waren auch hier, sowie bei allen derartigen Bewegungen, die Schenken, nur in Ausnahmsfällen das Haus Eines oder des Andern aus ihnen.
Die dem Bunde Angehörigen trugen „als Abzeichen ein Wintergrün am Hute", während als Zeichen, welches sie den Gemeinden zur Aufforderung zuschickten, in einem Berichte (des Pflegers zu Račah an Egkh und die Verordneten ddo. 19. Februar) eine Hahnenfeder genannt wird, die ein Račaher Bürger, der mit den „Püntischen“ zu Gurckfeld Bruderschaft gemacht hatte, nach Hause mitgebracht.
Die Organisation des Bundes war eine ganz geregelte; es erscheint nach des Ivan Sfrast Angabe ein Bauerntriumvirat, bestehend aus Passanaz, Gubes und Magaič, die zum Anführer den Illia (der bei Cäs. Aquil. und bei Valvasor als Bauernkaiser erscheint, aber nur oberster Capitän war) und andere als Hauptleute gewählt hatten, und die auch für weiterhin „das Bauernregiment" führten. So heisst es in Sfrast's Aussage: „Obgemeldete sind mehr gewesen, als der Illia, denn wo Jemand was verschuldet, da hat der Illia die Klag bei ihnen dreien angebracht, diese haben alsdann die Strafe gegen den Verbrecher vorgenommen." Der Gubes (Gubáz), mit dem Beinamen Beg, der in der Aussage des Gussetič der oberste Rädelsführer genannt wird, hatte von den Bauern zum König (daher wahrscheinlich der türkische Titel Beg) ausgerufen werden sollen, was jedoch, unbekannt aus welchem Grunde, unterblieb. Später ward er gefangen, und als einer der Hauptaufwiegler Anfangs Februar zu Agram mit einer glühenden eisernen Krone zu Tode gebracht.
Die Stärke des ganzen Bauernheeres wird bei Valvasor und bei Julius Cäsar auf 20.000 Mann angegeben, welche Zahl gewiss nicht übertrieben ist, da, wenn auch nach den uns vorliegenden Acten aus der einen oder der andern Ortschaft nur 20, 30, 200 oder 500 auszogen, sich doch aus allen Orten, wohin sie kamen, alle Unterthanen, theils freiwillig, theils gezwungen, oder wohl gar von ihren Herren dazu geheissen, anschlossen, und so die einzelnen Züge des Bauernheeres um vieles vermehrten; deshalb, wenn man Alles in Allem rechnet, obige Summe ganz leicht denkbar ist.
In einem Briefe des Pflegers von Lichtenwald heisst es: es seien ihrer schon bei 40.000 beisammen, und es kämen noch von Tag zu Tag neue hinzu.
Die Bewaffnung dieses Heeres bestand ausser den selbstverständlichen Knütteln, Dreschflegeln und anderen bäurischen Werkzeuge in Handröhren. Auch führten sie Doppelhaken, der eine Haufe mehr, der andere weniger (gewöhnlich 20-30), je nachdem sie aus Schlössern, an denen sie vorbeizogen, Unterstützung fanden oder nicht. Grösseres Geschütz, Falkonet's auf Rädern, fehlte ihnen ebenfalls nicht.
Das so gebildete und bewaffnete Heer war in sechs grosse Abtheilungen geschieden, über welche in Allem zwölf Hauptleute (Anführer) gesetzt waren, also über jede Abtheilung zwei.
Der oberste Commandant war der vielgenannte Elias Gregorič oder, wie er schlechthin genannt wurde, der Illia.
Wenn er auch zuletzt examinirt sagte: „er sei nur derer von Sossed Oberster gewesen, so hatte er sich früher mehrmalen verrathen, denn er hatte bekannt, er sei von den Bauern als oberster Hauptmann aufgeworfen worden, desgleichen, dass er Oberster gewesen, und einem sowohl, als dem andern (der 12 Hauptleute) vertraut habe."
Elias Gregorič war an der Mettling bei unserer Frau zu Ribnik gebürtig beiläufig 50 Jahr alt Unterthan des Grafen Stefan Frangipan. Er war sodann in den letzten zwanzig Jahren nach Werdowez (Herrschaft Sossed) gekommen und hatte sich daselbst Haus und Hof gekauft. Von seinem neuen Herrn, dem Tahy, hatte er jedoch viel Unbilden zu leiden gehabt; denn dieser nahm ihm all sein Vermögen, Weingärten, Ross und Vieh weg, was Elias alles auf 200 Ducaten anschlug.
Es kann daher nicht Wunder nehmen, dass sich Gregorič im Laufe des Jahres 1572 mit Gussetič öfters berieth, wie es denn möglich wäre, der Gewalt des Tahy sich ledig zu machen.
Dass er bei den allerersten Berathungen der meist gedrückten Bauern einer Derjenigen mag gewesen sein, die auf Errichtung des Bundes und auf gewaltthätiges Einschreiten gegen die Herren gedrängt haben, lässt sowohl sein späteres Benehmen, als auch der Umstand schliessen, dass er, obschon hoch im Ansehen der Seinen, sich nicht an der Deputation nach Wien betheiligt hatte, was eben keine grosse Neigung zu friedlichem Vergleiche seinerseits annehmen lässt.
Illia hatte unter dem berühmten obristen Hauptmann der windischen und kroatischen Grenzen, dem krainischen Edelmann Franz Lenkovič, und nachher noch also auch unter Herbard als Soldat an der Grenze gedient; deshalb mögen ihn wohl die Bauern zur militärischen Leitung ihres Unternehmens auserkoren haben.
Dass er zu diesem Posten Fähigkeit besass, beweist der von ihm entworfene Plan, nach welchem die ganze Sache ihren Fortgang hat nehmen sollen und zum grossen Theile auch wirklich nahm. Er ist erhalten in dem Briefe des Christoph Gall ddo. Rann 22. Februar an Egkh und die Verordneten in Krain.
Illia hatte beschlossen, von dem Orte Klanyez (in Kroatien) in die Rannerische Herrschaft zu fallen, die Bauern mit sich aufzuheben, dann einen Thril nach dem Gurckfelder Boden abzufertigen, diese sollten dann bis gegen Rudolfswerth (Neustädtl in Unterkrain) ziehen und sich wieder abwärts gegen Isterberski (Isterbersko) oder Samobor begeben; er selbst aber hatte die Save und Sann hinauf nach Lichtenwald, Račah, Tüffer und Cilli bis nach Franz wollen, von wo aus er dann gewiss einen Theil seiner Leute nach Laibach abgefertigt hätte, deren Bestimmung es gewesen wäre, bis an das Gestade des Meeres zu ziehen und alle Pässe dahin frei zu machen, er aber wäre abwärts gegen Rohič und den Unterbauern von Kaisersperg zu gezogen. Dem dritten Haufen, denen von Stubiza war bestimmt, an der Grenze zu bleiben und das „Daheim" vor jedem andern Einfall zu behüten."
Wir sehen in dieser letzten Anordnung den an der Grenze gebildeten Krieger, der es wohl wusste, dass der Türke diese Bewegung der Bauern zu einem Einfalle benützen werde, wie er es auch that.
Die stattgehabten Züge kamen in der Hauptsache dem angeführten Entwurfe nach. Valvasor und Jul. Cäsar sprechen sowohl von der Dreitheilung des Bauernheeres, als auch davon, dass der eine Theil bei Rann in Untersteyer, der andere bei Gurckfeld in Krain, der dritte endlich und das ist der Haufen von Stubiza über die Save in der windischen Mark einfielen.
Es gehört der nächsten Abtheilung an, über die Details dieser Züge zu sprechen; hier mag nur noch erwähnt werden, dass das Losschlagen von Seiten der Khaiserspergschen Unterthanen erfolgte, und zwar am 29. Januar.
Die Absicht der Bauern von Khaisersperg, Sossed u. a. O. Rann zu überfallen, kannte Herr Balthasar von Werneckh bereits am 1. Januar des Jahres 1573, und schrieb an demselben Tage an seinen Vetter Wolf Werneckher: dass die Bauern Willens seien, morgen oder übermorgen am 2. oder 3. Januar Rann zu überfallen. War der Werneckher übel berichtet, oder stiessen den Bauern Hindernisse auf? Der Ausbruch erfolgte noch nicht.
In einem Schreiben des Herrn Stefan v. Gregorianz an Herrn Jobst Joseph v. Thurn (ddo. Mokritz 3. Februar) wird desselben als eines fait accompli vom 29. Jänner gedacht.
Am 3. Februar war die Sache schon weit fortgeschritten, und da rückten schon „Flegelfechter und Dorfmartialisten“, wie Valvasor die Anführer nennt, in raschen Zügen und mit der Parole: „eher hundertmal sterben, als nur eine Robot dem Herrn verrichten", vor die Schlösser und in die Märkte und Städte, die sich ihnen sofort grösstentheils aus Ueberraschung anschlossen und willig den verlangten Eid der Treue schwuren.
Herr Stefan von Gregorianz (der Besitzer von Mokritz) setzte die Verordneten von Krain in Kenntniss von dem bereits Geschehenen; denn es hatten die Bauern an diesem Tage schon ihre Abtheilungen bis nach Landsberg und herunter bis Gurckfeld und Rann ausgebreitet. Sie hatten ihre Lager / Meile Weges von Mokritz auf dem steyerischen Gebiete und zwar bei einer Kirche zu Dobrowa (unterhalb Rann) aufgeschlagen und dem Gregorianz seine Schiffbrücke an der Furth von Jessenitz mit Gewalt genommen, auch andere Schiffe sich zu verschaffen gewusst.
Gregorianz befürchtete nun das Aeusserste für Mokritz und die umliegenden Herrschaften, und stellte an die Verordneten die Bitte: “Im Kriegsvolk mit einem Büchsenmeister und Pulver, 4 oder 5 Samb Blei und Kugeln zu senden, oder aber dem Joseph Freiherrn v. Thurn, Hauptmann der Uskoken, zuzuschreiben, er möge ihm 5 bis 600 guter Uskoken schicken.”
So waren denn die Stände Krain's alsbald nach Ausbruch der Empörung davon unterrichtet und ihnen deren ganze Bedeutung klar gemacht.
Erzherzog Carl hatte, wie der Hofkanzler Khobenzel dem Landesverweser Egkh am 5. Februar zu Laibach erzählte, am 3. Februar, als er (Khobenzel) zu Pettau bei ihm gewesen, nur erst Kunde von einer gegen Tahy versuchten Empörung gehabt, und um die Sache gütlich beizulegen, alsogleich den Herrn Caspar v. Rab zu den Aufrührern abgesandt. Sowie der Erzherzog friedliche Lösung anstrebte, so rieth auch Khobenzel den Verordneten, dass sie nicht „tätlichs" gegen ihre Unterthanen anfangen sollten, um sie nicht dadurch zu weitern Handlungen zu verleiten.
Doch leider des Erzherzogs, wie Khobenzel's Mahnen war nicht mehr zeitgemäss, da der Bund schon zu grosse Dimensionen angenommen hatte.
Es muss den Verordneten Krains zu Lobe nachgesagt werden, einmal, dass sie den Moment der Gefahr für ganz Innerösterreich erkannten, dann, und dies hauptsächlich, dass sie in jedmöglicher Weise sogleich Hilfe schafften.
Am 4. Februar erliessen sie das Generale, das den Zuzug der gerüsteten Pferde anbefahl, „damit man im Stande wäre, dorthin zu ziehen, wo es immer die Noth erheischen würde, und so das Feuer gedämpft werde.”
Unter einem war in diesem Aufgebote allen jenen Herren, die nahe bei Rann „an den Confinien des Wasserstromes Sau" ihre Güter hatten, vorzügliche Aufmerksamkeit auf die Bewegungen der Bauern ans Herz gelegt, ihnen auch anbefohlen, über die Stärke des Bauernheeres, über dessen Befehlsleute u. s. w. fleissig Erkundigungen einzuziehen und dieselben dann bei Tag und Nacht auf der Landschaft Unkosten nach Laibach zu berichten, auch ihre Unterthanen vor einem Einverständnisse mit den „Püntischen" zu warnen.
Dem genannten Freiherrn Jobst Jos. v. Thurn wurde eine Summe von 1000 fl. Rheinisch zum Kriegsbedarf aus dem landschaftlichen Gelde angewiesen, und mit derselben der Erbmarschall von Krain, Hans v. Auersperg, nach Rudolphswerth (Neustadtl) abgeordnet.
Aber auch in der Steyermark, welchem Lande so viel Gefahr von den Aufständischen drohete, war man auf Widerstand bedacht.
Es wurde auch da das Aufgebot erlassen, und später, als die weite Ausdehnung des Bundes zu gesteigerten Befürchtungen sattsam Anlass bot, durch Umschlag eine Anzahl von 1500 Schützen aufgenommen, welche mit den gerüsteten Pferden zu Marburg gemustert wurden. Des Herzogs Befehle in Betreff der Landesrüstung galten aber nebst Steyermark und Krain auch dem benachbarten Kärnthen und der Grafschaft Görz.
Letztere, desgleichen die Hauptmannschaft am Karste, wurden aufgeboten, weil man ein Einverständniss mit den Unterthanen am Karste besorgte. Diese Besorgniss war nicht unbegründet, hatten ja, wie bereits erwähnt wurde, die Bauern geradezu ausgesprochen, sie wollten über Laibach nach dem Meere hin, und man hatte gleich damals. und auch später noch factische Beweise solchen Einverständnisses in den Händen.
Eine weitere Vorsichtsmaassregel war es, dass man am 7. Februar zu Laibach am Wochenmarkte verkündigte, dass Niemand während der Unruhen nach Unterkrain, im windischen Land, oder nach Kroatien (mit Salz, Getreide u. a. Dingen) Handel treiben dürfe; „wer darauf betreten würde" hiess es „sollte an den nächsten Baum gehenkt werden."
Der Kärnthner Mitwirkung zur Dämpfung des Feuers sollte in zwei Richtungen erfolgen: einmal sollten sie einen Zuzug nach Windischgrätz absenden, dann auch bereit sein, den Oberkrainern Furcht einzuflössen, die so gerne mit den Püntischen" gemeine Sache gemacht hätten, hätte sich nur der Aufstand bis in ihre Berge fortgepflanzt.
Die gleich näher zu berührenden glücklichen Erfolge Thurn's, sowie des Allapi und Zryni, waren den vorbereiteten Zuzügen der Kärnthner, sowie der Görzer, zuvorgekommen, der der letzteren unterblieb ganz.
Indem ich nun darauf übergehe, die drei Züge, mit denen das Bauernheer agirte, näher zu beschreiben, will ich jeden einzelnen vornehmen, und zwar in chronologischer Aufeinanderfolge nach den ihnen beigebrachten Niederlagen.
Nach diesen eröffnen die Ereignisse in und um Gurckfeld und die Schicksale des daselbst eingefallenen Schwarmes die Reihe.
Dieser Einfall war für die Bauern mit wenigen Schwierigkeiten verbunden gewesen, denn man war ihren Absichten gleich willig entgegengekommen, als sie von ihrem Lager am Videm mit den Bürgern der Stadt zu unterhandeln angefangen hatten. Es ward dann weiter gegangen. Die letztern waren häufig zu ihnen hinübergekommen, ja bei ihnen aus- und eingegangen, „wie an einem Kirchtage“, und hatten ihnen für den Fall, dass sie herüber nach Gurckfeld kämen, Wein, Brot, Pulver und überhaupt alle Nothdurft gegen Bezahlung versprochen. Die Bauern gingen ebenso in Gurkfeld ungehindert ab und zu, machten nöthige Einkäufe, so einmal für 3 Ducaten Pulver, und unterhandelten fortwährend wegen der Uebergabe der Schiffbrücke und des Ortes.
Kurz vor dem geschehenen Uebergange kam der Illia eines Abends aus Gurckfeld ins Lager zurück mit den Worten: „Morgen früh wollen wir hienüber!" Und so geschah es auch.
Am 5. Februar waren die Bauern bereits im Besitze der Brücke. Aus allen Bürgern, die grossentheils Mitschuldige waren, erscheint nach Joseph Thurn's genauen Erhebungen der Pfleger von Gurckfeld als Hauptverräther. Thurn schreibt unterm 12. Februar von Landstrass an die Verordneten in Krain: „Es kämen jetzt nämlich nach der Niederlage der Bauern, die am 5. erfolgt war - die Bauern aus diesem Feld von mehreren Orten zu ihm und zeigen ihm an, dass sie sich, als jener Tumult begonnen, dem Pfleger von Gurckfeld zur Gegenwehr angeboten, auch um Rath gefragt hätten, dieser ihr Anerbieten doch nicht angenommen mit dem Ausspruche: die Gurckfelder wussten selbst nicht, was sie thun sollten.
Diese Aussagen vermehren noch den Verdacht, der auf dem Gurckfelder Pfleger lastet, ja machen zur Gewissheit, was Thurn gleich an jenem 5. Februar den Verordneten geschrieben hatte, dass der Pfleger daselbst in Gurckfeld mit den Bürgern unterhandelt habe, damit sie die Bauern einliessen und die Schifffahrt übergäben.
Nachdem die Püntischen die Schiffbrücke von den Gurckfeldern überkommen haben, setzen sie von Videm,her über die Save und lagern sich um Gurckfeld, ziehen wohl auch zum Theil in die Stadt.
Bei diesem Besitzergreifen lassen die Bauern ihre Wuth an den Häusern der „Aufschläger" aus, zerhauen die Oefen, Fenster, Wände, und machen wohl auch einige Personen, die sich ihrem Treiben entgegenstellten, nieder.
Diese Vorgänge erregten in der ganzen Gegend arge Besorgniss, so vor Allem zu Thurn am Hart (aus welchem Schlosse sich der Besitzer, Herr v. Valvasor, ein Vorfahre des krainischen Historiographen geflüchtet), und zu Landstrass.
Doch es rückt Thurn am selben 5. Februar, nachdem er am 3. und 4. die Verordneten über sein Vorhaben benachrichtigt hat, von Landstrass mit beiläufig 500 Mann (dem Zuzuge gerüsteter Pferde aus Neustadtl und einigen Uskoken) um 11 Uhr Vormittags gegen die Bauern, deren Stärke bei 2000 beträgt. Als sie des Anrückenden gewahr werden, ziehen sie sich in die Stadt Gurckfeld zurück.
Thurn theilt nun seine Truppen und lässt das Fussvolk von der obern, die Reiter von der untern Seite an den Ort anrücken. So gelingt es, die Bauern einzuschliessen, von denen dann Diejenigen, welche nicht durchbrechen können, ihren Tod in der Save finden. Thurn schätzt die Zahl der Umgekommenen auf 300. Bei dieser Niederlage verlor, wie Thurn den Verordneten mit grosser Betrübniss klagt, der tapfere Hauptmann von Wihitsch, Daniel v. Laser, durch einen Schuss ins Gesicht, den er aus einem Thurm erhalten, das Leben.
Die Uskoken gewannen in der eroberten Stadt Vieles durch Plünderung, worüber Thurn sein Leid ausdrückt, aber beisetzt: In dergleichen Fällen ist es unerwehrt.”
Thurn hatte hier mehrere Gefangene gemacht, die er auch nach Laibach sandte, und etlichen Bauern Hände und Ohren, „um andern zum Abscheu und Ebenbild", abschneiden lassen, „inmaßen" setzte er bei „auch die andern windischen Herrn gethan".
Aber noch am Tage dieses glücklichen Erfolges, traf zu seinem nicht geringen Schrecken die Nachricht ein: Der Türke sei daran, die Grenze zu überschreiten, worauf er sogleich bei den Verordneten anfragte, was er zu thun habe, ob er die Bauern weiter verfolgen oder den Türken erwarten solle.
Die Ursache dieses Ueberfalles, der jedoch ohne weitere Folgen blieb, glaubten dann die krain. Verordneten darin zu finden: Daß die gegen die Bauern aufgestellte Versammlung der Uskoken, der Anzug der gerüsteten Pferde, die Aufmannung der provisionirten Schützen, vornemlich aber der fürstl. Durchlaucht selbst persönlicher Anzug mit der steierischen kärnthnischen Landsrüstung (welche letztere auf des Erzherzogs eigenen Befehl nach Windischgraz hatte kommen müßen), sonder Zweifels auf die Türkische Gränzen erschollen seien".
Am 13. Februar Vormittag berichtet Thurn an die Verordneten, die Türken hätten nicht über die Glima setzen können, und sich daher gewendet, um bei Krup (unterhalb der Unna) ein Heer zu sammeln; am Schlusse seines Briees spricht er die Hoffnung aus: „den Feind werde der Jauch und das Gewässer, da der Schnee noch zergeht, an seinem Vorhaben hindern."
Erst im Monat März wurde die Gefahr von Seiten der Türken drohender. Am 25. desselben Monats sandten die Verordneten von Steiermark, Kärnthen, Krain und Görz Gesandte an den Papst, um von ihm Hilfe gegen den Erbfeind der Christenheit zu erlangen; doch dies gehört weiter nicht zur Sache, und ich gehe daher zur Besprechung des andern Zuges der Bauern über, welcher zugleich der Hauptzug war. Man wird sich aus dem über den Plan des Illia Mitgetheilten erinnern, dass dieser vorhatte, mit seiner Abtheilung, dem Gros der Armee, nach Lichtenwald, Račah, Tüffer, Cilli und weiterhin zu ziehen. Inwieweit gelang ihm dies?
Am 3. Februar wird von diesem Zuge des Illia, ,der gegen Rann heranrücke und Willens sei, seinen Weg nach Cilli und dann wieder zurück gegen Gurckfeld zu nehmen", der Landesverweser von Krain, Freiherr v. Egkh, benachrichtigt, und vom selben Tage liegt ein vollständiger Bericht vor, den der Pfleger von Rann an seinen Herrn, Christoph Gall, „Röm. kais. Majestät und Fürstl. Durchl. Rat", erstattet hat.
Wir entnehmen diesem Berichte folgende Stelle: „In der Nacht auf den 3. kamen die Püntischen in die Gegend von Rann, wo sich ihnen der grössere Theil der Unterthanen anschloss. Sie rückten neben dem herrschaftlichen Meierhofe aufwärts im G'sträusach" (Gesträuch) und in den Gräben, damit man nicht auf sie schiessen könnte, an die Stadt heran; als man sie ersah, liess der Pfleger drei Schüsse mit dem grossen Zeug thun. Ihr Begehren an die Stadt lautete auf Ergebung und Leistung des Eidschwures, „was abgeschlagen wurde." „Die Stadt war mit Volk gar öd", sagt der Berichterstatter und meint: „,200 Mann würden hinreichen, die Bauern in die Flucht zu jagen."
Er erzählte ferner: Wie des Illia Corps auf dem Anmarsche den Unterthanen, die sich gerade im Schlosse auf Robot befanden, ihre Häuser aufgebrochen und übel darin gehaust, dem Aufschläger und einem Bürger am Wege ihre Weine bei 100 Eimern ausgetrunken habe u. s. f.
Auf diese Nachrichten hin, da Herrr Christoph Gall sich an die Verordneten und diese wieder sich an Thurn wandten, schickte letzterer 100 Uskoken dahin, und Erzherzog Carl verordnete die Absendung von 20 Doppelhaken und 24 Fussknechten aus dem Schlosse zu Laibach, welche Absendung von 20 Doppelhaken sofort, jedoch unter Begleitung von 24 Handwerkergesellen (da die Guardi im Schlosse zu Laibach für die Stadt selbst unentbehrlich war), von Seiten der Verordneten an Thurn erfolgte, der sie weiter befördern sollte.
Doch erst am 20. Februar, als alle Gefahr, dass sie in die Hände der Bauern gerathen könnten, beseitigt war, erfolgte die Fortschaffung derselben aus Rudolfs werth. Sowie Gurckfeld, hatte sich auch Rann bald den Bauern ergeben, und diese zogen an der Save hinauf, vorerst nach Reichenburg, dessen Besitzer Herr Welczer von Niederwelcz ihnen zwei Fass Wein und einen guten Ochsen verehrte, damit sie ihn in Ruhe liessen, weiter nach Lichtenwald, wo man auf ihre Ankunft schon gefasst gewesen und sich ihnen ebenfalls ergab.
Am 5. Februar hatten sie ihr Lager in der Gegend des Leisberges, westlich von Montpreis, aufgeschlagen, wo Illia und sein Stab es sich in einem Edelsitze der Frau Klobnerin bequem machten. Hier erhielt Illia die Kunde von der Niederlage derer zu Gurckfeld, und im Augenblicke verliess er mit den Seinen, ohne jedoch von der Ursache des Aufbruchs etwas zu verrathen, seinen Standort.
Er zog über den Leisberg durch Montpreis gegen Geirach, wo aber schon durch die andere Post das Geschrei offenbar geworden, dass die Bauern bei Gurckfeld geschlagen wären".
Nun gerieth sein Haufen in Schrecken, und er wandte sich nach Peilenstein, hielt daselbst das Nachtlager und eilte des andern Morgens am 7. durch Drachenburg. Hier lässt aber der Besitzer des Schlosses, Max von Ruepp, seine Pferde zu denen des Viertelhauptmanns v. Cilli, Herrn Georg von Schrattenbach stossen, der nebenbei auch eine ansehnliche Zahl Fussvolkes in diese Gegenden geführt hatte.
Dies kam unerwartet für Illia, dessen Absicht dahin gerichtet war, denen von Kaisersperg und Stubiza zuzueilen; zu gleicher Zeit trafen auch Herr Allapi und der Graf von Zryni mit ihrer Reiterei ein; auch sie hatten es auf Illia abgesehen.
So war dieser, der von vorne durch die ungarische Reiterei, von rückwärts durch Schrattenbach und die Kunsberger und Wisseler angegriffen wurde, genöthigt, sich am 8. Februar in einen Kampf einzulassen. Dieser Kampf endete mit der gänzlichen Niederlage des von ihm geführten Bauernheeres; einige hundert, wenn nicht bei tausend Bauern, waren dabei niedergemacht, die Hauptleute alle, bis auf ihn, der ins Gebirge floh, erlegt, überdies viel Gefangene gemacht; so sagt Valvasor: Schrattenbach habe bei 500 Gefangene nach Cilli gebracht.
Es war aber auch durch diesen Schlag den Bauern mit einem Male aller Muth geraubt, und sie huldigten nun in grosser Eile an allen Orten, und waren beim Vordringen der Aufständischen alle „Urfar" die Save entlang von Jesseniz und Mokriz an bis Račah in der kürzesten Frist in ihre Hände gefallen, so waren sie jetzt gleich schnell den frühern Herren zu neuem Gebrauche frei gemacht. Der dritte Zug, der in die windische Mark eingefallen war, hatte sich, fünftausend Mann stark, um Isterberski und Okitsch gelagert; ihre Anführer waren die Dragonizi, Unterthanen von Isterberski, einem Dorfe von 400 Häusern. Diese trachteten darnach, die Uskoken zu ihrem Bündniss zu verleiten, zu welchem Ende sie zwei Gesandte nach Sichelburg abschickten, um mit ihnen zu unterhandeln. Diese jedoch waren ihrem Hauptmanne (Jobst Joseph von Thurn) treu geblieben, der ihrer 800 1000 aufgeboten und mit solcher Macht, unterstützt durch des Grafen von Zryni Reiter und der BaninAdelige, den Bauern entgegengewirkt hatte.
Die Bauern des dritten Zuges, als sie von Thurn's Anrücken vernommen, wichen über die Save zurück; da traf Zryni auf sie und erlegte an die 4-500. So war auch diese Abtheilung unschädlich gemacht und der nach einem grossartigen Plane angelegte Aufstand der windischen Bauern "gedämpft." Mangel an Disciplin und Ungeübtheit in militärischen Dingen waren wohl die Hauptursachen des üblen Ausganges.
Die zu Laibach, Cilli, Graz und Wien in den Monaten Februar bis Mai verhörten Bauern gaben, wie sich dies auch aus unserer Darstellung ersehen lässt, meist aufrichtige (mit anderwärtigen Notizen übereinstimmende) Antworten hauptsächlich in Dingen allgemeiner Art, durch deren Aussagen für sie keine Gefahr erwachsen konnte.
Der Illia und einer aus dem Bauern - Triumvirate : Michael Gussetič, wurden, nachdem man lange nach ihnen gefahndet, und sie sich in allen Wäldern Steiermarks herumgetrieben, endlich in Oesterreich eingefangen und nach Wien gebracht, wo sie vom 11. April bis 4. Mai verhört wurden. Auf Befehl des Kaisers trat hiezu eine Untersuchungscommission aus nachbenannten Individuen zusammen: Dr. Johann Huetstokher, Stadtrichter zu Wien, Bernhard Riedler, N. Oe. Untermarschall, und Michael Stüzl, der kaiserlichen Majestät Diener als Verordnete, auch Mathias Pitschin, Musterschreiber auf der windischen Grenze, als Dollmetscher, in Gegenwart zweier Wiener Bürger, Martin Reschen und Hans Schlaher.
Welches Urtheil über die Beiden erfolgte, ist aus den vorliegenden Acten nicht ersichtlich, höchstwahrscheinlich wurden sie (zu Wien) hingerichtet!
Dass den Beschwerden der Bauern, nachdem ihre Empörung glücklicherweise niedergedrückt worden, keine Rechnung getragen wurde, zeigt der nochmalige Versuch eines Aufstandes, den sie in demselben Jahre 1573 wagten.
Am 13. November nämlich berichten die Stände Steiermarks diesen Aufstand an den Erzherzog, dieser an den kaiserlichen Hof, von wo am 21. d. M. an den Landesverwalter in Krain, Herrn Herbard von Auersperg, der Auftrag ergeht: „es möge gute Achtung und Kundschaft in Betreff der windischen und kroatischen Bauern gehalten werden“.
Zwei Tage darauf befiehlt Auersperg ddo. Wien den 23. November die Landesrüstung und das Aufgebot der Uskoken.
Die Verordneten in Krain aber sandten gleich nach Empfang des Erzh. Schreibens ddo. 14. November präs. 21. Nov., den Sebastian von Lamberg, Hauptmann zu Wihitsch und Commandanten der gerüsteten Pferde, hinab in das Windische „um sich der Sachen insgeheim zu erkundigen.“ Lamberg's Relation über seine Beobachtungen stellte die arge Bedrückung der Unterthanen der Frau Banin" von Kroatien ins wahre Licht und bezeichnete die Banin als die einzige Ursache einer zu befürchtenden abermaligen Empörung.
Auf Grundlage dieser Relation bitten die Verordneten in Krain ddo. 5. December den Erzherzog, er möge bei Seiner kais. königl. Majestät darob sein, dass den windischen Ständen, ihre unerwägliche Härte, ihr unleidentliches Regiment" gegen ihre Unterthanen abgestellt werden möchte.
Bald hierauf erfolgte die Verbesserung der Urbare und der Gerichtsbarkeit durch den Erzherzog, und man hörte in den Landen auf lange hin nichts mehr von einem Bauernaufstande, und die Kreuze, die die windischen Bauern, darnach ihren Krieg den Cruciati oder Kreuzkrieg nennend, aus den Kleidern erschlagener Herren geschnitten und sich auf die Brust geheftet hatten, waren nunmehr historisch geworden.
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