Der letzte grosse Bauernkrieg (1573).

Der letzte grosse Bauernkrieg (1573).

 “Geschichte Krains von der altesten Zeit bis auf das Jahr 1813”, Dritter Theil: Vom regierungsantritte erzherzog Karls in Innerösterreich bis auf Leopold I (1564-1657), by August Dimitz, Laibach, 1875. pp 30-36.

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Schon im Landtage des Jahres 1566 klagten die Landleute, es würden jetzt seltsame Reden vonseite der Bauern vernommen, die, wenn ein Anlass sich böte, leicht zu einem Ausbruch führen könnten, bei dem man in nicht geringerer Besorgniss vor den Unterthanen schweben dürfte, als vor den Türken. Die Bauern wüssten jetzt besser mit dem Handgeschütz umzugehen als früher. Dass jeder einen Batzen Aufgebotgeld entrichten und dennoch zum Aufgebot ziehen müsse, das errege Murren.

Es fehlte also nur der äussere Anstoss, um einen neuen Ausbruch herbeizuführen. Er kam diessmal aus dem benachbarten Kroatien. Da war Ferencz Tahy, Besitzer der Herrschaft Sossed (Sussed, Szomszédvár), ein berüchtigter Bauerntyrann. Sein Gebaren sprach allen Gesetzen der Menschlichkeit Hohn. Nicht nur der Bauern Habe war die seinige, er nahm sie ihnen willkürlich und steigerte die Anschläge nach Belieben, sondern selbst ihre Familien waren vor seinen Lüsten nicht sicher, er entführte ihnen Weiber und Töchter. In dem benachbarten Krain war der Druck allerdings nicht so arg, die Willkür war nicht so gross, aber die bäuerlichen Abgaben waren an und für sich fasst unerschwinglich; dazu kamen die Kriegsläufte und die Mauthen und Aufschläge, womit, wie wir gesehen haben der Handel mit Landesproducten bis zur Küste belegt worden war. Von Kroatien ging die Anregung aus, als die Bauern (April 1572) beschlossen, eine Deputation nach Wien abzusenden, um dem Kaiser ihre Beschwerden vorzubringen. Hauptsächlich waren es Unterthanen des Tahy, welche sich an der Deputation betheiligten.  Jedes Dorf der Herrschaft Sossed schickte seinen Vertreter und zahlte ihm die Reisekosten.  Doch schon als die Bauern ihre erste Deputation nach Wien absandten, hatten sie ihren Bund zu bewaffneter Empörung geschlossen. Stubiza, Sossed, Werdovaz (Brdove) und Kaisersberg (Kraljev vrh), alle auf kroatischem Boden gelegen, waren die Hauptherde dieser Verschwörung. Es war auf einen Vertilgungskrieg gegen Pfleger und Aufschläger, Oeffnung der Strassen zum Meer, und wie im Jahr 1515 auf Wiederherstellung der alten Gerechtigkeit - stara pravda -  aus Kaiser Friedrichs Zeit abgesehen. Was dem verhassten Herrenstande zugehörte, sollte mit Weib und Kind erschlagen, sowie die Aufschläger und deren Häuser niedergerissen und geschleift werden.  Darin wollten sie nicht rasten, und sollte es sieben Jahre dauern.  Doch wären sie dabei nicht stehen geblieben, sie dachten an eine selbständige Regierung für die windischen Lande in Agram, eine kaiserliche Stelle; Zins und Steuer wollten sie selbst einheben und die Grenze selbst versorgen, um allen Bedrückungen vorzubeugen. Wenn sie auch das Joch ihrer Unterdrücker abwerfen wollten, so war doch kein illoyaler Gedanke in ihre Seele. Sie wollten alles unter des Kaisers und Erzherzogs Gewalt stellen, sicherlich in dankbarer Erinnerung an die oft bethätigte Fürsorge österreichischer Regenten für ihr Wohl. Genügte ja doch die Vorweisung eines kaiserlichen Siegels, um Widerstrebende zum Anschlusse an den Bund zu bewegen. Die Mitglieder des Bundes einigte ein Schwur, ihr Abzeichen war ein,Wintergrün' am Hute, als Zeichen der Aufforderung zum Beitritte liessen sie eine Hahnenfeder im Lande umgehen. An der Spitze des Bundes stand ein Triumvirat, Passanaz, Gubes und Magaič, die zum Feldherrn den Ilia (Elias Gregorič) wählten, der also kein Bauernkaiser' war; vielmehr war Gubes (Gubac) das oberste Haupt mit dem türkischen Beinamen eines Beg. Das Bauernheer wuchs durch Werbung und Zulauf trunkenen und raubsüchtigen Volkes, sowie durch den Terrorismus der Führer bald auf 20,000.  Die Waffen bestanden nicht nur aus den gewöhnlichen Werkzeugen bäuerlichen Stils, Dreschflegel, Sense und Knüttel, sondern auch aus Handröhren oder Büchsen, in deren Führung ja die Bauerschaft von den Aufgeboten her geübt war, und selbst in Doppelhaken und Falconeten auf Rädern. Das in sechs Abtheilungen gegliederte Heer befehligten zwölf Hauptleute unter dem Oberbefehle des Ilia. Dieser Mann, von Ribnik bei Tschermoschniz gebürtig, also ein Krainer, beiläufig 50 Jahre alt, früher ein Unterthan des Grafen Stephan Frangipan, war nach Werdovaz in der Herrschaft Sossed gekommen und hatte sich da niedergelassen. Ihm hatte der Tyrann all sein Vermögen, Weingärten, Vieh und Rosse weggenommen, was Ilia auf 200 Dukaten anschlug. Ilia hatte unter Lenkovitsch und Herbart von Auersperg an der türkischen Grenze gedient. Dass er militärische Fähigkeiten besass, zeigt sein noch erhaltener Kriegsplan. Darnach hatte er beschlossen, vom Orte Klanjec in Kroatien in die Herrschaft

1 Nationales kroatisch - serbisches Symbol ,A Zimzelen nosi za klobukom’, Levstik, Upor slovenskih kmetov 1. 1573, Feuilleton des ,Narod'.

2 Doch scheint bei dieser Angabe einige Uebertreibung mit untergelaufen zu sein. Vergl. Dr. Krones a. a. O. S. 8, Anm. 22.


Rann einzufallen, sich dort mit der gleichgesinnten Bauerschaft zu vereinigen und eine Abtheilung nach Gurkfeld und Rudolfswerth ziehen und von dort wieder Fühlung mit Kroatien suchen zu lassen, während er selbst die Save und Sann hinauf nach Lichtenwald, Ratschach, Tüffer, Cilli und Franz rücken und einen Haufen nach Laibach detachiren wollte, dessen Aufgabe es gewesen wäre, bis ans Meer vorzudringen und alle Pässe dahin frei zu machen, während Ilia selbst abwärts gegen Rohitsch und Kaisersberg zu gezogen wäre. Der dritte Haufen sollte als Reserve in Stubiza stehen bleiben, um einen allfälligen Türkeneinfall abzuwehren.  Im wesentlichen erfolgte auch der Losbruch nach diesem Plane.  Die Kaisersberg'schen Unterthanen schlugen zuerst los, am 29. Januar.  In raschen Zügen rückten sie vor Schlösser und Städte, welche sich ihnen in der ersten Ueberraschung widerstandslos ergaben und den verlangten Eid der Treue schwuren. Die Parole der Aufständischen war: Eher hundertmal sterben, als nur eine Robot dem Herrn verrichten! 

Am 6. Februar gelangte bereits der erzherzogliche Befehl an den Landeshauptmann von Krain, alsbald aus dem Laibacher Zeughaus 20 Doppelhaken mit Munition, Pulver, Blei u. dgl. nach Rann zu schicken, 24 Knechte aus der Besatzung des Schlosses sollten den Transport begleiten und in Rann bis auf weiteren Bescheid verbleiben. Inzwischen sollten die Stände den Bauernzuzug aus Krain nach Steiermark so viel als möglich verhindern und dem Erzherzog alles Vorfallende täglich durch Couriere berichten. Die Verordneten beschlossen, um das Schloss mit dem Zeughause nicht zu entblössen, 24 Mann aus den Handwerksgesellen der Stadt anzuwerben, welche sie mit den verlangten Doppelhaken dem Jobst Josef Freiherrn von Thurn, Hauptmann der Uskoken, zuschickten, dabei aber ihre Besorgniss aussprachen, dass es schwer halten werde, das Geschütz in das Schloss Rann zu bringen, da die Bauern bereits alle Ueberfuhren von Jesseniz bis Ratschach besetzt hatten. Die Stände hatten übrigens schon am 4. Februar die gerüsteten Pferde aufgeboten und sich nach Kärnten um etliche hundert deutsche Knechte gewendet, auch die Landschaft in Görz um nachbarliche Hilfe ersucht. Inzwischen sammelten sich bereits die steirischen Schützen in Marburg, wohin sich auch der Erzherzog begeben hatte.

Den Reigen des nun folgenden Kampfes eröffnen die Ereignisse in und um Gurkfeld. Die Aufständischen lagerten der Stadt gegenüber bei Videm, gingen aber täglich ab und zu und hatten bald ihre Einverständnisse mit den Gurkfeldern angeknüpft, welche ihnen für den Fall, dass sie mit ihren Haufen in die Stadt kämen, Wein, Brod, Pulver und überhaupt alle Nothdurft gegen Bezahlung zusagten. Der Hauptverräther war der Pfleger von Gurkfeld, welcher im Namen der Bauern mit den Bürgern unterhandelte, dass sie die Schiffbrücke den Aufständischen übergaben. 

Am 5. Februar waren diese bereits im Besitze derselben, setzten sogleich über die Save und lagerten sich in und um Gurkfeld. Hier zerstörten sie die Häuser der Aufschläger und machten einige Personen, die sich diesem Treiben widersetzten, nieder. Aus dem nahe gelegenen Schlosse Thurn am Hart flüchtete sich dessen Besitzer, ein Herr von Valvasor. Von Gurkfeld rückte eine Schar von 2000 Mann auf Landstrass, von wo sich jedoch bereits Jobst Josef von Thurn mit 500 Mann, theils gerüsteter Pferde, theils Uskoken, in Bewegung gesetzt hatte, um die Anrückenden zu empfangen. Diese zogen sich jedoch auf Gurkfeld zurück. Thurn rückte ihnen aber nach und schloss sie in der Stadt ein, dann liess er die Reiter auf sie einhauen; 300 wurden niedergemacht oder fanden auf der Flucht in der Save ihren Tod. Bei diesem Treffen verlor der tapfere Hauptmann von Wichitsch, Daniel Laaser (von Laas), durch einen Schuss ins Gesicht aus einem Thurme bei Gurkfeld das Leben. Die eroberte Stadt wurde von den Uskoken geplündert. Thurn liess mehreren gefangenen Bauern Hände und Ohren abschneiden, ,andern zum Abscheu und Ebenbild, wie es auch die andern windischen Herren gethan.'

Ilia's Hauptcorps rückte inzwischen auf Rann los und forderte die Stadt auf, sich zu ergeben und den Eid der Treue zu schwören. Die Stadt war mit Mannschaft schlecht versehen und fiel daher bald in die Hände der Bauern, welche an der Save aufwärts auf Reichenburg und Lichtenwald rückten und am 5. Februar ihr Lager in der Gegend des Leisberges, westlich von Montpreis aufschlugen, wo Ilia in einem Edelsitze der Frau Klobnerin sein Hauptquartier aufschlug. Hier erhielt er jedoch die Nachricht von der Niederlage der Seinen bei Gurkfeld und brach daher sogleich das Lager ab, ohne jedoch etwas von der Hiobspost verlauten zu lassen.  Er zog über den Leisberg durch Montpreis gegen Geyrach, wo aber schon alles von dem Gerücht der Gurkfelder Niederlage erfüllt war, daher er sich sogleich nach Peilenstein wandte, daselbst das Nachtlager hielt und am 7. Februar durch Drachenburg zog. Hier zog sich über dem gefürchteten Bauernführer die Schlinge plötzlich zusammen. Von vorne drängten die Ungarn unter Allapi und Zriny, welche bereits bei Kerestinac im windischen Lande 800 Bauern niedergemacht hatten, von rückwärts zog der Viertelhauptmann von Cilli, Georg von Schrattenbach, mit dem steirischen Fussvolk heran. Ilia war genöthigt, am 8. Februar bei S. Peter unter Künsberg die Schlacht anzunehmen, welche mit der gänzlichen Niederlage des von ihm geführten Haufens endete. Viele Bauern fielen, alle Hauptleute, bis auf den einzigen Ilia, der sich ins Gebirge flüchtete, wurden erlegt, 500 Gefangene nach Cilli gebracht. Die Bauern unterwarfen sich allenthalben. Der dritte Haufe wurde in dem angrenzenden Kroatien von Zriny's Reitern zersprengt.  Einzelne Scenen aus dem wüsten Gemälde berichtet uns die vaterländische Chronik. Bei dem Schlosse Ainöd erschlugen sie den letzten Herrn von Laas, ein Steinhaufen bezeichnete noch zu Valvasors Zeit die Stelle.  Den Bruder hatte, wie wir gesehen, schon früher eine rebellische Stückkugel bei Gurkfeld getödtet. Auf dem Friedhof der Munkendorfer Kirche fiel der letzte Herr von Lilienberg (Lilgenberg) unter den Händen der Bauern.  Vereinzelt schlugen die Flammen auch tiefer im Lande auf; in Sagor zerstörten die Unterthanen der Herrschaft Gallenberg das Amthaus, dessen Wiederherstellung auf Kosten der Schuldigen ein Befehl der niederösterreichischen Kammer vom 13. April 1573 anordnete.  An dem Schlosse Egg ob Podpetsch bewährte die wüste Schar so recht ihre wilde Zerstörungslust. Es wurde vollständig zerstört, alle Thore, Fenster, Oefen eingeschlagen, die eisernen Fenstergitter und eisernen Stangen aus den Mauern herausgerissen, selbst die steinernen Mauern gebrochen und zerstückt. Aus einem versperrten Thurm wurden viele Lamberg'sche Schriften (ein Herr von Lamberg hatte das Schloss erbaut) hervorgezogen, zerrissen oder umhergestreut.  Die Bewohner des Karstes waren im Einverständniss mit den Aufständischen aus der windischen Mark gewesen und hatten nur ihre Annäherung erwartet, um ebenfalls loszuschlagen.

Wir haben noch das Ende des Bauerntriumvirats zu berichten. Ilia und einer aus dem Triumvirat, Michael Gusetič, wurden nach langem Herumirren in den Wäldern gefangen, nach Wien gebracht, dort von einer Commission, an deren Spitze der Stadtrichter Dr. Josef Huntstockher stand, verhört und hingerichtet.

Dass auch dieser Bauernkrieg keine Verminderung des Adelsdruckes zur Folge hatte, zeigt ein neuerlicher Ausbruch im nemlichen Jahre (1573), der, wie es scheint, ohne Blutvergiessen unterdrückt wurde und sich nur auf die arg bedrückten Unterthanen der Frau Banin von Kroatien erstreckte.

Es war das letzte gewaltige Aufflackern einer Flamme gewesen, welche nun auf immer erlöschen sollte, denn die Geschichte berichtet nur noch von vereinzelten Ausbrüchen des empörten Rechtsgefühls, aber sie fanden keinen Führer, kein einigendes Princip mehr und erlagen daher jedesmal in Kürze der Uebermacht. Jahrhunderte sanctionirten das Unrecht, und das wahre Erlösungswort blieb jener fernen Zeit vorbehalten, welche die Fesseln der Geister brach und jene der Leiber daher von selbst fallen machte.

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